Fundstück: Umweltschutz – oder Beschiss?

Meine Frau brachte mir einige Joghurts mit. Es war diese Sorte Joghurtbecher, die mit Pappe ummantelt sind. Kennt ihr die? Ich hatte sie schon mal dann und wann, aber heute machte ich mir beim auskratzen des Bechers zum ersten mal Gedanken darüber:
innen ein schlichter, weißer Plastikbecher. Darum herum: Eine Hülse aus Pappe, mit einem Aufdruck, dass man diese vor dem Entsorgen vom Becher trennen soll. Erster Gedanke: Ressourcen- Schonung?

Umweltschutz oder Mode- Gag?

Zerlegt man den Pott, findet man auf der Innenseite der Pappe unter anderem einen Hinweis, dass die Verpackung (genauer: Die zusätzliche Pappe!) aus „verantwortungsvoller Quelle“ sei. Mit einem entsprechenden Siegel.

Aber wozu? Der Plastikbecher ist geringfügig dünner als ein „Standardbecher“, er wiegt 4 Gramm. Die Pappe drumherum, tausendfarbig bedruckt, wiegt etwa 3 Gramm. Und das soll umweltfreundlicher sein? Wiegt der Produktionsaufwand der Pappe, das beidseitige Bedrucken und montieren auf den Becher und anschließende gesonderte Recyceln (und eventuell notwendiges Trennen im Dualen System, weil der Kunde es nicht tut) der extra- Pappe den möglicherweise eingesparten Gramm an Plastik wirklich auf? Ginge es nicht vielleicht sogar NUR mit einem solch dünnen Becher, ganz ohne Pappe?

Oder schwimmt der Produzent bloß auf der „Umweltschutz- Mode“ vieler anderer Hersteller mit?

Ich tippe eher auf eine Verdummbeutelung des geneigten Bürgers, der lediglich das Gefühl bekommen soll: „Oh, hier kann ich Müll trennen: Ich lebe umweltbewusst!“ – und das damit verbundene Geschäft. Wenn man es ernst gemeint hätte, hätte man wahrscheinlich eine etwas dickere Pappe genommen und diese bloß leicht trennbar von innen beschichtet. Oder nur den dünneren Becher mit Aufdruck.

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Über firefox05c

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13 Antworten zu Fundstück: Umweltschutz – oder Beschiss?

  1. Daniel schreibt:

    Papier und Pappa lassen sich recht gut recyclen. Ein recht beachtilicher Anteil dessen, was in der Papiertonne landet, wird tatsächlich wiederverwertet. Bei der gelben Tonne (bzw. gelben Sack) sieht das leider anders aus. Die doch recht verschiedenen Teile, die in der gelben Tonne landen, müssen ziemlich aufwändig sortiert werden. Deswegen landet leider auch ein nicht unerheblicher Teil des eigentlich recyclebaren Abfalls aus der gelben Tonne am Ende doch in der Müllverbrennungsanlage. (Auch deswegen ergibt ein Pfand auf Dosen und Einwegflaschen Sinn). Das ist auf jeden Fall ein Punkt, der für die Verwendung von Pappe statt noch mehr Papier spricht.
    Dass sich unbedrucktes Plastik besser wiederwerten lässt, wurde ja auch schon mehrfach erwähnt.
    Klar ist aber auch, dass das alles nichts nützt, wenn jemand den Becher inklusive Pappe in die Restmülltonne wirft.
    Ob ein Hersteller nun durch die Verwendung der besser wiederwertbaren Becher aus Plastik mit Pappverstärkung Kosten einspart, werden wir an dieser Stelle vermutlich nicht mit Sicherheit klären können. Ein Argument für die Verwendung der Pappe wäre noch, dass die Logistik dadurch evtl. einfacher wird, da ein Becher für alle Sorten Joghurt verwendet werden kann. Zur Unterscheidung der Sorten muss nur eine andere Pappe umgewickelt werden und evtl. ein anderer Deckel aufgeklebt werden.
    Neu sind diese plastiksparenden Verpackungen übrigens nicht. Ich habe schon vor über 5 Jahren Pappummanetelungen von Joghurtbechern getrennt.
    Ingesamt gehe ich davon aus , dass die zusätzliche Umweltbelasung durch die Pappe den Umweltvorteil durch die Verwendung von weniger Plastik nicht übertrifft und deswegen die Verwendung der plastiksparenden Verpackung mit zusätzlicher Pappe Vorteilhaft für die Umwelt ist. Eine fachlich fundierte, unabhängige Einschätzung zu dem Thema würde mich aber sehr interessieren.
    Noch besser für die Umwelt wäre es wahrscheinlich, den Joghurt ganz ohne Plastik im 500g-Gebinde mit Verpackung aus Glas zu kaufen, denn Verpackungsmüll zu vermeiden, ist wichtig für den Umweltschutz.

    • WPR_bei_WBS schreibt:

      „Noch besser für die Umwelt wäre es wahrscheinlich, den Joghurt ganz ohne Plastik im 500g-Gebinde mit Verpackung aus Glas zu kaufen, denn Verpackungsmüll zu vermeiden, ist wichtig für den Umweltschutz.“

      Da stimme ich zu – allerdings wuerde mich da eine fundierte Berechnung interessieren, was den Mehrverbrauch an Kraftstoff (mehr Gewicht durch Glas) betrifft.

  2. paul schreibt:

    Das sollte durchaus einen Umweltaspekt haben. Weißer Kunststoff der sich dadurch auch wirklich recyclen lässt, weil alles was bedruckt oder bunt ist beim recyclen einen recht grauen Brei ergibt und die wenigsten wollen grauen Kunststoff haben. Dazu eben dünner, weil man mit der Pappe ja stabilisiert.

    Sicher spielt bei unternehmerischen Entscheidungen auch immer Image und Geld (Produktionskosten) eine Rolle – sonst wären die meisten Unternehmen zügig pleite – aber hier würde ich durchaus einen Vorteil im Bezug auf die Umwelt sehen. Sicher nicht die Lösung für alles, aber immerhin ein erster Schritt.

  3. Ingo S. Anders schreibt:

    Mit der Becherherstellung brauche ich mich gar nicht befassen, wenn ich sehe, dass ich hier im Haus bzw. in den Buchstaben a bis c der einzige bin, der Gelbe Säcke überhaupt benutzt. Mir wird jedes Mal schlecht, wenn ich an den Müllcontainern vorbeikomme und Restmüll in der Biotonne sehe und den ständig sich ansammelnden Sperrmüll von Fremden, dessen Abholung wir Mieter alle bezahlen. Auch im Papiermüllcontainer landet Plastik und anderes.
    Doch, ich – wenn ich so einen trennbaren Becher kaufen würde, weil ich das haben will, was drin ist – dann wäre ich auch noch so blöde, den zu trennen. Ich bin einseitig geprägt worden, da zu meiner Schulzeit der Grüne Punkt eingeführt wurde und wir mit der Klasse zum Müllverwertungsbetrieb gefahren sind, um uns erzählen zu lassen, wozu das alles gut ist. Eine Mitschülerin hat damals sogar die Joghurtbecher noch ausgespült, weil sie mit dem Begriff „löffelrein“ nichts anfangen konnte.
    Es ist mir heute noch ein Bedürfnis, den Müll zu trennen. Wir haben zu Hause extrem selten mal was für den Restmüll, was ganz gut ist, da die Restmüllcontainer meist überfüllt sind.

    Meine Vermutungen zur wundersamen Bechertrennung gehen in Richtung neuer EU-Richtlinien oder Besteuerung von Plastikverpackung(santeilen).

  4. Talianna schreibt:

    Ich vermute auch, dass der unbedruckte Kunststoff recyclingfähiger ist – wegen der Farbtrennung. Arbeitsschritte können automatisiert werden. Außerdem glaube ich, dass Ummanteln nicht aufwändiger ist als Becher bedrucken, und Pappe bedrucken ist – wenn ich mich an Mamas Erklärungen denke – drucktechnisch„piece of cake“ ist.

  5. roerainrunner schreibt:

    Ich find’s generell bisl witzlos, dass alles dünner wird, z.B. Joghurtbecher, Mülltüten, etc., die Packung dann aber nicht hält. Wie viele kaputte Joghurtbecher ich schon an der Kasse abgegeben habe, mir im Rucksack ausgelaufen sind. Dasselbe mit Mülltüten.
    Die Menschheit wird wohl doch untergehen 😀

  6. WPR_bei_WBS schreibt:

    Ich kenne die Dinger auch – da habe ich bei dem reinen Plastik aber durchaus den Eindruck, dass die jetzt so labbelig sind, dass man sie in der Tat nicht guten Gewissens ohne Pappkorsett in den Handel stellen kann.

    Bin jetzt kein Experte auf dem Gebiet, aber ich habe immer noch die Mahnungen von Umweltschutzkampagnen im Ohr, wieviel Jahrtausende es dauert, bis Plastik verrottet. Hab auch keine Ahnung, ob man all den Plastikmüll tatsächlich sinvoll wiederverwerten kann. Pappe scheint mir da in der Tat besser aufgestellt.

    Oder das ist genau der psychologische Effekt, den sich der Hersteller zu nutze machen will :-).

    Wie auch immer, davon ausgehen dass der Hersteller davon was hat koennen wir wohl, aus reiner Verantwortung wird er das nicht machen.

    Wenn dadurch tatsächlich ein Gramm Plastik pro Becher eingespart wird, sollten wir das nicht unterschätzen, Kleinvieh macht auch Mist. Über welche Mengen wir hier reden, kann man gut daran sehen, dass die Preise pro Becher zwischen Herstellern und Handel bei Joghurt auch auf die Nachkommastellen verhandelt werden – wohlgemerkt Nachkommastellen beim Cent!

    Das wird dann auch wohl die Belohnung des Herstellers sein: Wenn der dadurch nur einen halben Cent pro Becher sparen sollte, ist das schon eine Hausnummer für ihn.

    • firefox05c schreibt:

      WENN er sparen kann. Aber die Pappe und der zusätzliche Produktionsschritt beim Umwickeln kostet auch Geld. Da scheint mir die Begründung mit dem „weißen Recycling- Kunststoff“ schon fast logischer.

      • WPR_bei_WBS schreibt:

        Mir fehlen jetzt die konkreten Zahlen zum nachrechnen – aber die Pappe zu bedrucken wird effizienter sein als die Becher direkt (bei der Pappe kann ich eine Rolle durchgehend bedrucken und nachher dann in Stücke schneiden, geht beim Becher nicht). Kommt noch das drummwickeln hinzu, ist aber auch keine Neuerfindung, viele Plastikverpackungen sind ja nicht direkt bedruckt, sondern mit Folie oder Etiketten beklebt. Ich gehe daher davon aus, dass es günstiger kommt – auch wegen meiner Erfahrung mit solchen Konzernen, wenn das teurer kommt wird das nicht gemacht :-). Da wird also jemand beim Hersteller. gerechnet haben. Bzw nichts beim Hersteller, das machen die ja nicht selbst, sondern beim Verpackungszulieferer.

      • WPR_bei_WBS schreibt:

        Ach so, als Nachtrag, über sonstige Kostenersparnisse haben wir uns noch gar eine Gedanken gemacht – z. b. Sprit sparen bei den Logistikkosten, geringere Lagerkosten durch höhere Stapelbarkeit, …

  7. linuxuser86 schreibt:

    Der Trick ist dass der Becher nicht bedruckt ist. So kann aus ihm wieder neuer weißer Kunstoff werden. Die Druckfarben lassen sich nicht von den Kunststoffen trennen. Bei Pappe ist das nicht so das Problem. Bin zwar auch kein Verfahrenstechniker, fand die Erklärung aber plausibel…

  8. BRC_MEDIC schreibt:

    Ich vermute mal, das es ein anderer Plastik ist, der leichter wiederverwertbar ist, weil er nicht bedruckt ist/werden muss. Kein VT (Verfahrenstechniker), von daher eben nur vermuten.

    • firefox05c schreibt:

      Der Becher ist mit „PS“ gekennzeichnet, also Polystyrol (woraus auch in geschäumter Form „Styropor“ besteht). Nix besonderes also.

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