Seehundrettung

An einem heißen Sommertag dachte sich wohl ein kleiner Hund, er könnte sich eine Abkühlung gönnen. Praktischerweise war Frauchen gerade mit ihm an unserem Flüsschen unterwegs, so dass er nur ordentlich an der Leine zerren musste, damit das obere Ende der Leine verstand: „Losmachen! Sofort! Ich will baden.“ Und Frauchen hatte ein Einsehen.

Hundi sprang beherzt ins Wasser und drehte seine Runden: „Eine Wildgans! – Mist, die schwimmt ja weg, wenn ich mich nähere … Eine Ente! Oh shit, die schwimmt auch weg …“ So paddelte der Kleine dahin. Und zurück. Und reagierte nicht, als Frauchen ihn rief. Diese bekam langsam Panik: Ob der kleine Wadenbeißer vielleicht nicht mehr am Ufer herausklettern kann? Wie lange wird er im Wasser noch durchhalten, bevor ihn die Kräfte verlassen?  Aber ob er wirklich an den großen Steinen der Uferbefestigung nicht herauf kam oder einfach nur kein Bock aufs Land hatte, weil er noch weiter bei den heutigen fast 30 Grad schwimmen wollte, war nicht ganz klar. Also musste irgendwann die Feuerwehr her, um den Badeausflug zu beenden: „Da schwimmt ein Hund im Fluss, der kommt nicht mehr raus!“, meinte der Anrufer, ein Passant, der sich die Hundenummer eine Weile mit anschaute.

Nach dem Alarm auf unserer Wache besetzten wir also den selbstfahrenden, Blaulichtgehörnten Arbeitsgeräteträger, fuhren mit Reklame zu unserem Bootsanleger und ließen uns von Passanten einweisen: „Ein Stück weiter rauf, bei den Aussichtsbänken, da schwimmt der Hund und kommt nicht mehr raus!“ Also: Boot besetzen, Motor an. Ich steuerte als Bootsführer   Rudergänger   Steuermann Beamter vom Seenot- Action- Kommando besagte Stelle an. Schon rief der Kollege im Bug: „Da drüben! Ist von der Größe her wohl ein Jack Russel oder sowas.“ Und richtig: Etwa 50 Meter entfernt schwammen schimpfend ein paar genervte Enten – und dahinter etwas, was nicht wie ein Wasservogel aussah: Hellbraune Schlappohren hinter einer schwarzen, erhobenen Nase, weiter hinten eine behaarte Rute, deren Spitze wild über der Wasseroberfläche hin- und her zuckte.  Ich drehte bei und fuhr langsam auf den Hund zu, der im Wasser offensichtlich immer noch glaubte, irgendwie die schnatternd vor ihm herdümpelnden Enten zu kriegen. Doch er hatte wohl etwas anderes vor als sich retten zu lassen: Als wir bei ihm waren, drehte er weg und schwamm in eine andere Richtung! Mit unserem 90 PS – Motor waren wir ihm schwimmtechnisch allerdings etwas überlegen, und so steuerte ich den Bug ganz dicht an ihn heran, so dass der Kollege, der im Bug lag, ihn packen und an Bord hieven konnte. Hundi quietschte dabei einmal kurz, blieb dann aber etwas zitternd zu Füßen der Bootsbesetzer friedlich sitzen. War wohl etwas kalt nach der ganzen Zeit im Wasser. Interessiert schaute er aus großen Knopfaugen auf dem Deck umher. „Gut, dass es kein Bernhardiner war“, grinste der Hundefischer. „Dann hätte ich womöglich mit ihm zusammen im Wasser gelegen!“

Zittert. Aber wohl nur, weil es langsam kalt im Wasser wurde…

Der Hundebesitzerin, die vom Ufer aus bei der Rettungsaktion mitfieberte, bedeuteten wir per Handzeichen, dass wir wieder zur Anlegestelle fahren würden, um das Tier dort zu übergeben. Ein paar Minuten später, in denen der kleine Kläffer die spannende Fahrt höchst interessiert verfolgte, war der Wasserliebhaber wieder an der Leine der Frau. „Ich glaube, wenn ich den jetzt losmachen würde, wäre der sofort wieder im Wasser“, meinte sie. Meine Idee: „Dann kaufen Sie sich doch eine lange Leine, so fünf Meter oder so. Dann kann der Kleine schwimmen, und Sie haben die Möglichkeit, ihn jederzeit wieder an Land zu ziehen.“

Zum Abschied versprach sie noch, sich irgendwie bei uns zu bedanken. Wir machten das Boot wieder schlaffertig und rückten dann ein. Ich fürchte aber, wenn das glückliche Frauchen mit dem unternehmungslustigen Flohtaxi wirklich mit Kuchen vor der Wache stehen sollte, ist zufällig gerade eine der beiden anderen Schichten im Dienst und freut sich beim Vernaschen unserer Lorbeeren …

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Seehundrettung

  1. WPR_bei_WBS schreibt:

    Ach, der kleine wollte bestimmt nur nach Hause schwimmen – hatte vielleicht Angst, dass in der alternativ genutzten Bahn sonst ein Problem auftritt und er zwei Stunden ohne Klimaanlage auf offener Strecke rumsteht 😉

  2. Thomas Kuhn schreibt:

    Ich hatte am Sonntag zwei Hunde und zwei Katzen aus einer Wohnung mit Küchenbrand zu retten.
    Das kleinere von den Bellviechern hat sich fürs Raustragen aus dem Qualm mit dem beherzten Biss in meinen linken Daumen bedankt. Seither weiß ich die dicken Lederhandschuhe noch ein wenig mehr zu schätzen.
    War gar nicht so leicht, den Kerl wieder vom Daumen zu lösen. Undankbare Töle.
    😀

  3. BRC_MEDIC schreibt:

    Kommt nicht oft vor das sich jemand wirklich so dankbar zeigt. Das höchste was wir hatten waren E-mails. Aber immerhin, etwas.

  4. roerainrunner schreibt:

    Ah, wie süß. Aber bezahlen muss sie die Aktion nicht?

    • firefox05c schreibt:

      Nein, ich denke, nicht. (Tierrettung) 😉

      • gnaddrig schreibt:

        Außerdem hat sie ja die Feuerwehr auch nicht gerufen, oder?

      • firefox05c schreibt:

        Es war wohl jemand, der mit der Frau gesprochen hatte. Genau weiß ich es aber nicht.

      • WPR_bei_WBS schreibt:

        Also zumindest bei groesseren Tierrettungen (wenn die Feuerwehr z. B. einen Acker auf links drehen mus, weil man sonst nicht an dass in einem Rohr o. ae. feststckende vierbeinige Spaehkommando kommt) muss der Halter mWn zahlen.

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