Man weiß es besser.

An der Decke der Fahrzeughalle balgten sich Tröpfchen. Sie balgten sich so lange, bis einige herunterfielen. Das Gedränge an der Decke wurde trotzdem immer mehr, und die zänkischen Tröpfchen stürzten irgendwann zu hunderten herab auf den Hallenboden. Dieses Schauspiel dauerte immer etwa eine Stunde in wechselnder Intensität, bis sich ein Pfützchen in der Fahrzeughalle bildete. Dann war plötzlich für den Rest des Tages wieder alles trocken. Bis es wieder irgendwann von vorne anfing. Wir rätselten.

Die erste Idee war eine mögliche Inkontinenz des teilweise überalterten und immer wieder teilaufgehübschten Abwassersystems der darüber aufhältigen Küche, dessen Rohre unten die Decke verließen und offen unter der Hallendecke entlang geführt wurden. Doch es stellte sich heraus, dass das Wasser – wenn es denn mal tropfte – nicht direkt an den Rohren auftrat. Zudem ließ es sich nicht durch forciertes Laufenlassen des Wassers am Spülbecken reproduzieren.

Die nächste Vermutung war ein Zusammenhang mit dem Wetter: War das Naß womöglich natürlichen Ursprungs und suchte sich seinen Weg vom Flachdach durch einen Wandschacht an der Küche vorbei bis über das Löschfahrzeug? Dieser Gedanke konnte allerdings schnell abgehakt werden: Auch während der wochenlangen Trockenheit kam es immer wieder vor, dass die Decke plötzlich tröpfelte. Als es dann wiederum für ein paar Stunden regnete, blieb die Fahrzeughalle hingegen trocken. Der mysteriöse Schaden wurde von den Kollegen gemeldet, die Abteilung Bauverwaltung gelobte, sich mit dem Wunder der weinenden Hallendecke auseinanderzusetzen.

Irgendwann fiel jemandem auf, dass es immer dann zu tropfen anfing, wenn die Spülmaschine eine Weile in Betrieb war. Aber aus dem Abwassersystem kam die Undichtigkeit nicht: Die Hinterlassenschaften der Spülmaschine wurden – wie in vielen Haushalten üblich – durch einen Schlauch direkt in den Nebenanschluss des Syphons unter dem Spülbecken geleitet, und dort hatten wir ja bereits Testläufe veranstaltet, die negativ verliefen. Unser Verdacht also, als der zuständige Herr der Bauunterhaltung zum Sightseeing erschien: „Das hängt wahrscheinlich mit der Spülmaschine zusammen. Immer, wenn die läuft, kommt einige Minuten später das Wasser unten aus der Decke. Man müsste das Ding mal aus der Zeile herausziehen und dahinter schauen.“ Doch, wie es so ist, fühlen sich einige Menschen in ihrer Kompetenz untergraben, wenn sie von Unwissenden irgendwelche Lösungsvorschläge vor die Füße geworfen bekommen, und kicken sie daher mit coolem Gesichtsausdruck weg: „Nö … ich vermute, dass dort ein Ablauf für das Flachdach entlangläuft, und der ist womöglich undicht. Ich lasse da mal einen Dachdecker schauen.“

Flickarbeit

Gesagt, angeordnet: Ein Dachturner stieg auf die Wache, bestätigte, dass im Bereich des intermittierend wasserführenden Schachtes auch eine Dachentwässerung verlief, und fand in dessen Nähe des (also nicht direkt beim) Ablaufes eine „Wasserblase“ unter dem Bitumen- Cover. Außerdem machte er im Bereich einer Oberlichtkuppel in der Nachbarschaft eine wenige Zentimeter (oder Millimeter?) breite Ablösung der Verklebung aus. Natürlich wurden diese Stellen umgehend in etwa 3 Stunden harter Arbeit beseitigt. Es kam die zufriedene, aber auch übliche Anordnung des Verantwortlichen: „So. Dach repariert. Beobachtet das mal. Aber es sollte nun dicht sein.“ Unsere Einwände, dass das Wasser auch abseits der Monsunzeit regelmäßig auftauchte, wurden erst einmal hinten an gestellt.

Was soll ich sagen: Einige Stunden später tropfte es wieder. Nämlich, als wir nach dem Abendessen die Spülmaschine in Betrieb nahmen. So zogen wir die Maschine selbst aus der Küchenzeile, woraufhin sich unsere Vermutung bestätigte: Der Abwasserschlauch war gerissen, unter der Maschine eine Pfütze. Von dort aus suchte sich das Wasser selbstständig den Weg durch eine nicht verfüllte Fliesenfuge in den besagten Schacht, um dann nach einem kurzen Gruß an die dortigen Rohre unten aus der Decke zu treten.

Den benötigten Schlauch besorgten wir dann in Eigenregie. Nach dem Ansehen eines „Jetzt-mache-ich-es-mir-selbst“- Videos, in dem das Auseinanderbauen der Maschine gezeigt wurde, tauschte ein Kollege den dahingeschiedenen Schlauch. Erforderlicher Reparaturaufwand: 15,90€.

Was der Dachdecker allerdings für seine Arbeit in Rechnung gestellt hat, die womöglich überhaupt nicht notwendig war, weiß ich leider nicht …

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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4 Antworten zu Man weiß es besser.

  1. anonym schreibt:

    Feurwehrleute können alles. 🙂

  2. roerainrunner schreibt:

    Ich als Supporter freu mich ja immer, wenn die Kunden selbst recherchieren, analysieren und die ganze (also meine) Arbeit machen 😀
    Seht’s positiv: Vielleicht hätten sich die kleinen Dachlecks irgendwann (in einigen Jahrzehnten) zu was Großem aufgestaut und so ist das schonmal präventiv gelöst 😉

  3. Don Camilo schreibt:

    Aber es klang doch so schön logisch … Also muss es auch so sein.

  4. BRC_MEDIC schreibt:

    Der Beitrag bestätigt genau das was ich von solchen „Experten“ kenne: Keine Ahnung, vorgefertigte Meinung, von der kein Jota abgewichen wird.
    Sowas habe ich gerade mit meiner Versicherung am gang …. :-/

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