Und dann war da noch …

… die drohende Gefahr aus einem Busch:

Auf der Rückfahrt von einem Einsatz „Türöffnung“ klingelten unsere Pager am Gürtel gleich noch mal: Wir bekamen eine „kleine technische Hilfeleistung“ von der Leitstelle übermittelt. Kurz nachdem unser Anstaltsleiter über Funk per Tastendruck die Einsatzübernahme gesendet hatte, klingelte das Diensthandy. Die Leitstelle erklärte die näheren Umstände: „Die Anfrage kam über die Polizei. Dort hatte sich jemand gemeldet, der im Stadtpark war. Der sagte, dass da wohl irgendjemand etwas in einen Baum gehängt hat, und der Melder hat nun Bedenken, dass es einem Passanten auf den Kopf fallen könnte.“ „Fahrt mal ohne Alarm hin und schaut nach“  forderte der Telefonisten uns auf. Auf die Frage unseres Vorgesetzten, was dieses „Etwas“ im Baum denn sein mochte, wusste der Disponent auch keine Antwort. „Es soll aber zwischen einer Statue und einer Wegkreuzung sein“, erwähnte der Callboy noch. Im Grunde also ein Einsatz unter dem imaginären Stichwort: „Fahr‘ mal gucken 1“ . 😉

Wir fuhren daher ohne Krach zum Stadtpark, der allerdings etwas weitläufig war, so dass wir zunächst keine Idee hatten, wo genau wir denn suchen sollten: Wegekreuzungen gab es dort gleich mehrere, und Statuen, Plastiken und Büsten gehörten zur Grundausstattung dieses Parkes. Also rief Chefchen bei der Polizei an, um näheres zu erfragen. Jedoch konnte die auch nicht viel zur genaueren Lokalität sagen, stattdessen gab der Schutzmann  uns die Handynummer des besorgten Bürgers. Dieser war dann auch tatsächlich erreichbar (was nicht selbstverständlich ist bei Leuten, die den Notruf kontaktieren) und lotste uns nach einer Standpauke des Einsatzleiters, in der er ihm erklärte, dass man bei solchen Meldungen besser vor Ort bleibt, um die Helfer einzuweisen, zum Ort des Verbrechens. Unser Wachführer ging uns voran, das Handy am Ohr: „Aha… und dann den Weg rein? … Ja, die Plastik sehe ich, am Ende des Weges, nicht? … Ja, hier stehen zwei Bänke. Und bei der zweiten Bank haben Sie was gesehen? – Danke, wir sind nun gleich da.“

Drei der vier gemeingefährlichen Granaten

Nun hielten wir in den Großgrüngewächsen der näheren Umgebung Ausschau nach der drohenden Gefahr durch bisher undefinierte Gegenstände, und wurden auch schnell fündig: Wahrscheinlich in der vergangenen Nacht hatten irgendwelche Witzbolde die „Granathülsen“ ihres letzten Bierchens in zwei- bis zweieinhalb Metern Höhe auf die Äste eines Busches gesteckt, wo sie nun durch den leichten Wind etwas gelangweilt im Geäst wippten. Wir waren etwas fassungslos, und mir entfuhr ein genervtes: „Ehrlich jetzt? DAS ist also die „drohende Absturzgefahr“, die die Helden der Feuerwehr nun entfernen müssen?“ Der Wachführer starrte ebenfalls etwas irritiert auf die Flaschen: „Ich glaube, die Höhenretter haben gerade einen anderen Einsatz. Wir müssen das wohl selbst hinbekommen.“ Kopfschüttelnd begann ein Kollege, die Äste herunterzuziehen, um das Leergut aus dem Busch zu pflücken. Er fragte grinsend: „Da ist Pfand drauf, Meinst du, wir kommen gleich noch an einem Getränkemarkt vorbei?“ Der Chef schüttelte belustigt den Kopf: „Na, ich weiß nicht, ob dass dann nicht ‚Bereicherung im Amt‘ sein könnte …“

Letztendlich stellten wir die vier Flaschen aus dem Busch (womöglich eine seltene Bier- Eibe, die nun im Herbst Früchte trägt) für den nächsten Pfandsammler neben einen in der Nähe befindlichen Mülleimer.

Die Feuerwehr ist auch nach all meinen Dienstjahren immer noch ein nicht versiegen wollender Quell seltsamer Anekdoten …

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Und dann war da noch …

  1. Frau Katze schreibt:

    Unfuckingfassbar, dass Leute wegen sowas die Polizei/die Feuerwehr alarmieren.^^

  2. Nobody schreibt:

    Warum macht ihr sowas? Das war doch die im Internet groß angekündigte Kunstausstellung im Stadtpark. Ihr Kunstbanausen!!!

    „Dieser Beitrag könnte Ironie enthalten“

  3. Meyerlein schreibt:

    „Die Feuerwehr ist auch nach all meinen Dienstjahren immer noch ein nicht versiegen wollender Quell seltsamer Anekdoten …“

    Ja, definitiv. Immer wenn du glaubst du hättest schon alles gesehen kommt jemand und haut wieder einen „Kopfschüttler“ raus.

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