Alle Jahre wieder …

… wird der Soundtrack von „Stalingrad“ neu eingespielt. Während einige sich der Ballerei aber aus den verschiedensten Gründen entsagen, campieren andere schon am Morgen des 27.12. bei den Sprengstoff- Dealern, um ja um Mitternacht zum Verkaufsstart die Ersten am Munitionsstand zu sein. Wie auch immer, den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit nach ist eigentlich immer jemand in der direkten Nachbarschaft, der chemische Pülverchen per pyro-Rückstoß in die Luft befördert oder seine Baller-Batterie Modell „Enschede Inferno 2000“ als Barrikade auf die Fahrbahn schiebt. Darum ein paar Dinge zur Erinnerung:

– Lasst nach Möglichkeit keine vollen Abfallcontainer, insbesondere nicht mit offen stehendem Deckel, an der Straße stehen. Vielleicht rückt ihr Tonnen, die direkt an der Hauswand stehen, am Abend etwas ab – falls sie brennen sollten, wird nicht gleich die ganze Wärmedämmung der Fassade zur Heizfläche. Ein Fassadenbrand ist für uns echt Arbeit, da man die Außendeckung großflächig abreißen muss.

– Den Balkon bei Bedarf aufräumen, Stuhlauflagen ins Haus holen, die Blumenkästen etwas bewässern. Trockene Blumenerde und Tannenreisig brennen nicht schlecht. Jedes Jahr fahren die Kollegen mehrfach zu brennenden Balkonen und Blumenkästen, die durch verirrte Raketen gezeugt wurden.

  • Bevor es losgeht, alle Fenster und Dachluken schließen. Auch dort schauen Raketen gerne mal vorbei.
  • Beim Verlassen des Hauses Kerzen löschen, die vielleicht noch auf dem Esstisch oder im Weihnachtsgesteck brennen. Sonst geht die Pyroshow drinnen weiter, wenn man draußen damit fertig ist.
  • ein Telefon mit auf die Straße nehmen. Wenn jemand z.B. stürzt (was bei fortschreitendem Ethanol- Konsum ja durchaus in den Bereich des Möglichen rückt) oder ein Entstehungsbrand entdeckt wird, muss man nicht erst ins Haus, um Hilfe zu holen. Aber in der Tasche lassen, damit man auch etwas von der Bambule mitbekommt. Und Whatsapp ist sowieso erst mal überlastet.
  • Beim Aufbau von Batterien oder dem Werfen von Böllern auf den Verkehr achten, der an der Sprengladung noch vorbei muss. Nicht alle sind an diesem Abend auf irgendwelchen Partys. Bitte auch keine Flaschen mitten auf der Straße aufbauen. Ein Flaschenboden kann beim Überfahren problemlos Reifen zerstören. Die Folgen sieht man zu Hauf in amerikanischen Actionfilmen.
  • Raketen nicht querschießen. Es ist keine Leuchtspurmunition. Die weggeschleuderten, brennenden Metallkügelchen sind für einen Getroffenen auch recht unangenehm auf der Haut.
  • Nach dem Verbrennen der Investitionen bitte die ausgebrannten Batterie- Skelette an den Straßenrand schieben. Es ist total beknackt, wenn man z.B. mit dem RTW um nicht identifizierbare Klötze herumzirkeln muss. Wenn ihr sie mitten auf dem Bürgersteig stehen lasst, könnten sich an der Glut Spätheimkehrer die Nase oder die Handballen verbrennen …
  • Nicht sofort in die Tonne werfen, sie glühen oft länger nach. Sonst: Siehe Punkt eins.
  • auf glühende Papierfetzen einmal kurz drauftreten. In ein Kellerloch geweht, brennt dort gerne mal das liegengebliebene Laub. Oder auch mehr, wenn die Glut ins Gehäuse rieselt. Passiert auch jede Silvesternacht ein Dutzend mal, dass dadurch Keller oder Gullischächte Verbrennungsgase emittieren.

Wenn ihr dann noch andere dazu anhaltet, „die Blauen und die Roten“ ihre Arbeit tun zu lassen, ohne sie zu bepöbeln und zu beschießen, und den einen oder anderen „Überfüllten“ einfach selbst aufs Sofa legt, bevor ihr weiterfeiert, wird es bestimmt ein schöner Abend.

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Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu Alle Jahre wieder …

  1. Jens schreibt:

    Hallo,

    vielen Dank für deine hilfreichen Tipps zu Silvester und den Einblick in das Feuerwehrleben. In der Tat ist es ja wirklich so, dass kurz nach Mitternacht zum Jahresanfang der Pieper sich bemerkbar macht. „Alle Jahre wieder“ ist da die perfekte Aussage.

    Mach weiter so!

    Viele Grüße

  2. zbygnev schreibt:

    Moin,
    Zusatzbeladung im Kofferraum zu Silvester (ich darf in nämlicher Nacht unterwegs sein, Bereitschaft): 1x Pulver 6, 1x Schaum 9 und ’ne olle Kübelspritze (ist einfacher nachzufüllen als ein ge/verbrauchter Feuerlöscher) zum auspissen von schwelenden Pappresten unter Hecken oder Mülleimern an Bushaltestellen (*) . Der SF9 reicht notfalls, um einen qualmenden 1 cbm Plastik-Altpapier so lange zu bremsen, bis das TLF zum fluten da ist.

    „1x Kleinlösch, abspannen, guten Rutsch!“

    Z.

    (*) blöde Gesichter bei danebenstehenden zweibeinigen C2-haltigen Lebensformen inklusive 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Öhm… mit was für einem Auto bist du denn unterwegs?

      • zbygnev schreibt:

        ganz normaler ziviler T5-Transporter… Veranstaltungstechnik. Zwischen dem letzten Aufbau und dem ersten Abbau von Licht- und / oder Tontechnik liegen meist nur ein paar Stunden, und irgendeiner kippt auch mal irgendwas ins Mischpult, so daß einer da sein sollte, der Ersatz bringt.
        Arbeitsradius ungefähr ein nordeutscher Landkreis, da passiert’s schon mal, daß man an irgendetwas vorbeikommt. Und in den Ecken, wo bei „schwelt Mülleimer“ die AAO im ELR sagt „das ist ein Feuer K, das Dorf hat vier Ortsteile, also vier Sirenen“ sind hier nicht so selten. Selber auspissen, Kameraden in Ruhe lassen, halte ich für fairer. Wasser zum Kübel nachfüllen gibt’s an jeder Tanke. (ja, dat Dingen leckt und schwappt. Na Und? Zwei Drittel voll reicht auch, und ’n Lappen drunter macht alles gut. Ist halt noch von Oppa 🙂 )
        Z.

      • firefox05c schreibt:

        Die Kübelspritze wird meiner Meinung nach zu Unrecht belächelt.

  3. Peter G. schreibt:

    Und vor allem: Rettungdsienste ihren Dienst machen lassen. Gestern ganz geschockt das gelesen:
    https://www.presseportal.de/blaulicht/pm/69782/4153963

    In diesem sinne: Euch allen einen sehr ruhigen Dienst, Vielen Dank fürs „Da sein wenns brennt“!

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