Rauchmelder von innen

Fehlalarm durch Deo. Fehlalarm durch Küchendämpfe. Fehlalarm durch Staub.

Und warum löst der Rauchmelder dann aus, wenn es doch gar nicht brennt?

Ganz einfach: Der Rauchmelder kann nur erkennen, ob Partikel eindringen oder nicht.

Ich habe mir gedacht, dass es für den „Endanwender“ vielleicht hifreich ist, zu verstehen, wieso ein Rauchmelder Fehlalarm gibt, wenn er weiß, wie so ein Klotz überhaupt funktioniert. Darum hier eine kurze Erklärung:

Der Rauchmelder von außen. Baumarktqualität. Alle „Optoelektronischen Rauchmelder“ funktionieren aber nach dem gleichen Prinzip. Man kann den Knopf zum Testen erkennen, sowie einige Schlitze, durch die etwas eindringen kann (vorzugsweise Rauch). Ein Farbanstrich kann diese Schlitze verschließen und das Ding damit außer Gefecht setzen.

Baut man den Deckel ab, erkennt man das Batteriefach, die rote Kontroll- LED, für 20 Cent Elektronik  und das Kernstück, die Messkammer. Das ist das schwarze Tönnchen.

Hebt man den Deckel dieser Messkammer ab, sieht man das Innere des Schreihalses: Auf der linken Seite eine LED, die durch ein kleines Löchlein etwa im Minutentakt Lichtblitze schießt, und auf der rechten Seite, davon abgeschirmt, eine Photozelle im Blechgehäuse, die im Idealfall nichts von den Blitzen mitbekommt. Sieht dann im Normalbetrieb etwa so aus wie unten. Hier ist die Photozelle in der kleinen Kammer rechts oben.

 

 

 

Dringen nun irgendwelche Partikel in die Kammer ein, werden diese Lichtblitze dadurch abgelenkt und gestreut. Hierdurch fällt auch etwas Licht auf die Fotozelle. Und die wird dann wach: „Hömma, da iss‘ doch watt?“

Im weiteren Verlauf werden vom Rauchmelder kurz hintereinander noch ein paar Kontrollmessungen durchgeführt. Kann die Fotozelle dabei weiterhin etwas Streulicht sehen, wird dem Wohnungsnehmer lautstark von dem Ergebnis in Kenntnis gesetzt.

Leider kann eine recht einfach gestrickte Fotozelle nur zwischen „dunkel“ und „hell“ unterscheiden. Dabei erkennt sie weder eine Duftrichtung noch den Feuchtigkeitsgehalt. Auch die Art der lichtstreuenden Eindringlinge, zum Beispiel, ob es bloß irgendwelcher Staub oder doch die unerwünschten Rußpartikel sind, kann sie nicht feststellen.

Darum ist es nicht förderlich, Rauchmelder dort aufzuhängen, wo die Spülmaschine oder der Herd ihren Dampf ablassen, noch dort, wo im Hobbykeller lackiert, geschliffen oder gebohrt wird. Selbst forciertes Dampfbügeln unter so einem Piepseding hat mich schon erschrecken lassen, als der Hinweis von oben kam, dass womöglich etwas nicht stimmt. Und der Sohnemann sollte mit seinem „Duftwässerchen Fliegentod“ auch nicht allzu sorglos umgehen, wenn er seine Achselkatzen damit einjumpelt, um der Liebsten zu verscheiern, dass für Duschen mal wieder keine Zeit blieb.

In einem Heim sind wir übrigens in letzter Zeit schon mehrfach zu Fehlalarmen ausgerückt: Die neue Putztruppe hielt es für gebotene Gründlichkeit, die Melder an der Decke mit dem Staubwedel zu reinigen. Nun, jetzt wisst ihr, warum die Melder vielleicht gar nichts dafür konnten, wenn die rote Armada anrückte. Sie taten einfach ihren Job: Partikel in der Messkammer melden …

 

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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14 Antworten zu Rauchmelder von innen

  1. Hartmut "hase" Semken schreibt:

    Danke für den Artikel,
    sehr hilfreich, wenn man mal wieder gefragt wird und jetzt einfach einen Link weitergeben kann 🙂
    Die Messkammern sind m.W. nur für 10 Jahre Betrieb vorgesehen/freigegeben, was bei den etwas besseren Geräten dazu geführt hat, dass auch die Batterielebensdauer 10 Jahre ist; so muss man nur alle 10 Jahre den kompletten Melder auswechseln, was grad für Flottenbetreiber billiger ist als Batteriewechsel- plus Melderwechselintervalle.
    Der Grund für die begrenzte Lebensdauer ist, dass der Melder die Empfindlichkeit seines Sensors immer mal anpasst. So wird ein Grundpegel von Streulicht ausgeglichen, der durch das (unvermeidliche, allmähliche) Verstauben der Messzelle entsteht.

  2. roerainrunner schreibt:

    Übrigens finde ich es mit den Tests anders herum noch schlimmer:
    Kollege hatte sich selbst einen Rauchmelder gekauft, noch lange vor der gesetzlichen Verordnung (die ja in jedem Bundesland anders ist).
    Scheinbar hatte irgendetwas einen Fehlalarm ausgelöst (Staub, Pollen, etc.), Kollege war jedoch samt Familie zum Wochenendausflug abgerückt. Als sie Sonntag-Abend ankamen, fragten sie sich, was im Haus (Mehrfamilienhaus) so immens piepste. Je näher sie der Wohnung kamen, desto penetranter wurde das Geräusch, bis ihnen schließlich klar wurde, dass ihr Rauchmelder einen Fehlalarm (Gott sei Dank…) hatte. Interessant nur: Obwohl das Piepsen mehrere Stockwerke hindurch bis zum Parkplatz vor dem Haus zu hören war, hat keiner der Nachbarn die Feuerwehr verständigt…

    • firefox05c schreibt:

      Im Idealfall sollte jemand, der einen Rauchmelder hört, nach Möglichkeit erst einmal nachsehen, warum dieser piepst – eben, weil es ein Fehlalarm sein könnte oder die Ursache schnell zu beheben ist (Entstehungsbrand o.ä., so wie hier https://www.derwesten.de/panorama/paket-postbote-wird-mit-dieser-nachricht-zum-helden-id226805351.html ). Vielleicht hatten sich die Nachbarn bereits davon überzeugt.
      (Das muss natürlich nicht sein, dass jemand nachgeschaut hat: Wir wurden auch schon mal wegen eines Rauchmelderalarms mit der Beschwerde gerufen, dass „das Ding seit Stunden piepst, und nun doch langsam Nachtruhe sein sollte“!)

      • roerainrunner schreibt:

        Ja, nur wenn die Wohnungstür verschlossen ist – was der Normalfall sein sollte – der Rauchmelder piepst und niemand öffnet, dann rufe ich definitiv die Feuerwehr, weil in der Wohnung ggf. Rauch ist und vermeintlich anwesende Bewohner ggf. ohnmächtig irgendwo liegen. Besser einmal zuviel, als einmal zu wenig, oder?

        Die Geschichte des verlinkten Artikels ist ja Hammer 🙂

  3. 0x0d schreibt:

    Winzige Spinnen bauen winzige Netze. Wie ich mal feststellen musste, tun sie das gelegentlich auch in der Rauchmelder-Messkammer. Und dann kann auch so ein Spinnennetz das Licht so streuen, dass der Melder auslöst. XD

    • roerainrunner schreibt:

      Mir hat man mal erklärt, dass gute Rauchmelder mit einem kleinen Gitter ausgestattet sind, damit das nicht passiert.
      Allerdings hat man auch erklärt, dass das Gitter nicht alles und jeden abhalten kann und Kleinstviechzeug eben doch reinkrabbelt 🙂

  4. Red Sam schreibt:

    Das mit dem Dampfbügeleisen oder ähnlichen Aerosole erzeugenden Geräten sollte man mal genauer betrachten, vielleicht ist da eine Innovation hinsichtlich eine Heim-Prüfgerätes (ohne das für den Heimwerker schwer zu beschaffende Prüfgas) drin.
    Das könnte bei mir sogar „stationär“ (siehe Dampfbügler) sein, denn bei uns sind alle 9 (neun- @firefox05c ist das im Reihenhaus „Vollschutz“?) mittels Magneten befestigt und könnten zum Prüfgerät getragen werden (statt umgekehrt).

    • firefox05c schreibt:

      Wenn das Bügeleisen erst einmal aufgeheizt ist, kannst du es wahrscheinlich herumtragen und die Melder in einer ganzen Wohnung mit den Dampfstößen prüfen, bevor es wieder zu kalt dafür ist. 😉

  5. Alex schreibt:

    Eine tolle Zusammenfassung für den Endanwender, aber mit einem klitzekleinen Fehler: reinen Ruß erkennt der Melder auch nicht. Der ist nämlich stockeschwarz und reflektiert bzw. streut das Licht nicht. Die Fotodiode bekommt nix mit und die Tröte bleibt stumm. Im schlimmsten Fall wird sie sogar blind und erkennt nie wieder was. Auch echten Rauch nicht.
    Was der Melder erkennen kann sind die hellen Rauchpartikel, die, mehr oder weniger zwangsläufig, bei einem Wohnungsbrand entstehen.

    Was man auf deinen Fotos, zumindest für dieses Modell, auch sehr schön erkennen kann: der Testknopf, den man ja einmal im Monat drücken soll (macht das überhaupt jemand zuhause?), testet nicht die Messkammer. Hier wird entweder nur der Piepser angesteuert (ganz schlecht!) oder ein Widerstand parallel zur Fotodiode geschaltet, um wenigstens die Elektronik zu testen (schon besser und fast Standard). In vereinzelten Modellen wird ein weißer Knubbel in die Messkammer gedrückt um Reflexionen zu erzeugen. Damit wird der ganze Weg von Sende- und Empfangsdiode, über Auswerteelektronik bis zum Pieser getestet. Die ersten beiden Varianten lassen den Benutzer sich in trügerischer Sicherheit wähnen, dass sein Lebensretter noch über ihn wacht, auch wenn die Dioden gar nicht mehr funktionieren.
    Der beste Test für Zuhause wäre meiner Meinung nach auch die professionelle Methode mit Prüfgas, aber da investiert Lieschen Müller mangels Wissen nicht.

    So, ich schweife wieder ab… berufsbedingt, weil ich die Dinger fast täglich prüfen muss.

    • firefox05c schreibt:

      Wenn Fachleute sprechen, kommen ab und zu auch noch interessante Details zu Tage … 🙂

    • roerainrunner schreibt:

      Nope, der Laie tut das nicht. Der Laie wartet auf die Profis, die einmal im Jahr zum Testen kommen und hofft, dass die dann Prüfgas oder dergleichen beihaben und das vernünftig testen 😉

      • gnaddrig schreibt:

        Der Laie tut das tatsächlich nicht. Erstens weil er es oft genug gar nicht weiß/kann, und zweitens, weil viele Laien schon mal von einem Fachmann angemotzt wurden, weil sie irgendwas falsch (oder anders als der betreffende Fachmann das am Liebsten hat) gemacht haben. Da sich niemand gern anranzen lässt, verkneift man sich ab da eigeninitiatives Handeln und wartet lieber auf den Guru.

  6. Bei uns auf Station hatten vor kurzem die Bauarbeiter vergessen, den entsprechenden Rauchmelder zu deaktivieren bzw. in der Zentrale Bescheid zu sagen. Es kam, wie es kommen musste: der Feueralarm ging und kurze Zeit später standen 2 Angriffstrupps samt Zugführer auf der Matte. In voller Montur bei 40°C 7 Stockwerke hoch. Die haben uns echt leid getan.

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