unter Wasser aufräumen, erster Versuch

Als Gelegenheitsangler kenne ich Stellen am Fluss, bei denen man gar nicht erst versuchen braucht, auf Grund – oder manchmal auch nur in dessen Nähe – den Fischen aufzulauern: Es dauert nicht lange, und der Haken hat sich um irgendeinen Müll geschlungen, der da unter der Wasseroberfläche herumoxidiert. Das kann dann alles mögliche sein, wie man sieht, wenn man Glück hat und den Haken mit viel Geduld und Geschick wieder anlanden kann. Manchmal zieht der geneigte Fischnachsteller dabei dermaßen kuriose Gegenstände an Land, dass man meinen könne, da unten würde jemand wohnen: Stühle, Einkaufswagen, Schuhe, Fahrräder, Töpfe, Kleidung … die Liste an Einrichtungs- und Alltagsgegenständen ist da fast endlos. Allerdings sind die meisten Gegenstände so schwer, dass für gewöhnlich die Strippe reißt, bevor sich da unter Wasser irgendetwas rührt. Das ist nicht nur für den Angler ärgerlich: Der Köder ist dann immer noch unten, und ein Fisch, der beißt, wird sich womöglich auch nicht mehr befreien können.

In der Welt der Online- Kaufhäuser wurde ich auf die passende Freizeitbeschäftigung dazu aufmerksam: Dort wurden Magnete mit schier unglaublichen Zugstärken angeboten! Bis 700kg waren dort für einige „Klopper“ ausgelobt (Stichwort: Neodym). Konnte das sein? Ich kannte die meisten Magnete nur von Kühlschrankfronten und dem Whiteboard auf der Wache. Diese Knüddel fingen aber schon an zu rutschen, wenn man es wagte, mehr als zwei Blätter drunter zu klemmen. Und diese Magnete sollten hunderte Kilos heben? Und wozu braucht jemand so einen Klotz, wenn er nicht gerade einen Schrottplatz hat?

In den Beschreibungen war immer auch die Rede von „Magnetfischen“. Diese Art war mir allerdings völlig unbekannt, also scheinbar nicht in unseren Gewässern heimisch. Und was machen die Fische mit Magneten? – Ein Schnellkurs im „Youtube- College“ half weiter: weder sind „Magnetfische“ eine bestimmte Salmonidenart, noch kann man mit „Magnetfischen“ seinen Kochtopf füllen, da die meisten wildlebenden Fische in der Regel nicht aus Eisen sind. Aber, wie ich dann lernen durfte: Man kann besagten Topf so aus dem Wasser holen, wenn er mal reingefallen ist. Und alles andere, was entweder komplett oder teilweise aus Eisen besteht, auch: In zahlreichen Videos filmten sich seltsame Menschen dabei, wie sie immer wieder diese ultrastarken Magnete in Teiche, Kanäle und Flüsse warfen. Nicht, um vielleicht mit viel Glück einen Hecht mit dem Magneten zu erschlagen, sondern, um mal wieder im Wasser aufzuräumen und dabei manchmal kuriose und spannende Sachen zu finden. Denn dort unten liegt fast alles, was aus Metall ist – und dem Fisch- Angler das Leben schwer macht: Es gab ein Video, in dem jemand an einer Stelle in kurzer Zeit fünf Fahrräder anlandete. Ein anderer innerhalb von ein paar Stunden 12 (zwölf!) Möbeltresore. Natürlich alle geknackt und leer… Wieder andere gehen gezielt an Teiche und Tümpel, von denen Gerüchte bekannt sind, dass dort in den letzten Kriegsjahren Militaria versenkt wurden. Wobei ich selbst gerade dort, wo Gerüchte über eine solche Müllkippe bestehen, vielleicht lieber nicht mit dem Magnet fischen würde: Die Fundstücke sind womöglich nicht so verrottet, wie man glaubt, und dann noch funktionsfähig! Allerdings muss man auch feststellen: Fast jeder der Jungs (und im Übrigen auch Mädels), die mehrere Videos zum Thema veröffentlicht haben, findet dann und wann auch Waffen. Häufig kann man aber davon ausgehen, dass diese erst weit nach dem Krieg dort illegal entsorgt wurden und darum teilweise noch in einem super Zustand sind. Was man damit macht? Die Polizei weiß Rat. Ich glaube, die kennen entsprechende Sammler, denn sie holen so etwas auch kurzfristig ab.  😉  Der geborgene übliche Schrott wird dann, wenn er die eigenen Entsorgungskapazitäten übersteigt, an einer zugänglichen Stelle ordentlich abgelegt und entweder der Stadtreinigung oder dem Klüngelskerl gemeldet. Also quasi ein Hobby mit Nutzen für alle. Ich war jedenfalls angefixt und bestellte mir kurzerhand einen Magneten, der maximal 65kg ziehen soll.

Um dann kurz darauf zu erkennen, dass die Zugkraft nicht unbedingt ausreicht. Natürlich bekommt man einen Gegenstand mit 65kg alleine schwer über ein Brückengeländer gehievt, aber das muss man ja auch nur in den seltensten Fällen: Die volle Kraft entfaltet sich nur im geraden Zug, wenn der Magnet vollflächig auf einer 10mm dicken und polierten Stahlplatte aufliegt. In der Praxis haftet der Magnet aber meistens nur an einer kleinen Ecke an einem total verrosteten Gegenstand, oder seitlich an einem Rohr (Fahrradrahmen, Einkaufswagen). Oder der Gegenstand selbst ist so klein, dass er nicht die gesamte Fläche des Magneten abdeckt. Auch die 10mm Materialdicke werden eher selten erreicht. Es sei denn, man fischt einen Gullideckel raus.

Kann der Magnet aber tatsächlich mal voll anhaften und man kann ihn nicht durch seitliches Verschieben lösen (z.B. an einem Stahlträger unter der Brücke), könnte der geneigte Fischer ein Problem bekommen, da zumindest bei Markenartikeln die angegebenen Werte auch schon mal erreicht werden!

kleines Monster: 60mm Durchmesser, 150kg maximale angegebene Zugkraft

Ich bestellte mir also, noch bevor der erste Magnet eintraf, einen weiteren mit 150kg Haftkraft. Dieser war drei Tage später auch schon da. Trotz der Befürchtung, dass ich damit irgendetwas kaputt kriege (Finger klemmen, Scheckkarte löschen, Fenster einwerfen), knotete ich eine kräftige Strippe dran und fing an, damit herumzuprobieren: An der Kellertür (Blechstärke vielleicht 1mm) ließ er sich mit etwas Mühe wieder abziehen. Bei der Heizung hatte ich schon Bedenken, dass ich die Aufhängung des Heizkörpers abreiße. Auch an den gusseisernen Abwasserrohren im Keller habe ich aufgehört zu ziehen, bevor irgendetwas kaputt bricht, und den Magneten letztendlich doch lieber seitlich weggeschoben, um ihn zu lösen. Den Gullideckel vor der Tür konnte ich aus der Gosse heben, und den Kanaldeckel auf dem Parkplatz zumindest auf einer Seite lupfen, ohne dass der Magnet sich löste. Unglaublich! Die nächste Eskalationsstufe war das HLF der Feuerwehr: Bremse in der Halle los, den Magneten an den hinteren Unterfahrschutz, und gezogen: Das HLF kam etwas widerwillig mit.

Mein erster Fund! Daran bleibt jedenfalls kein Angler mehr hängen…

Tags darauf musste ich natürlich ans Wasser mit dem Teil. Ich hibbelte also so lange herum, bis die Angebetete mir entnervt frei gab, und suchte eine Schleusenausfahrt auf. Etwa zwei bis drei Dutzend mal warf ich den angestrippten Magneten ins Wasser. Doch da dort kein Fußweg oder gar eine Brücke direkt am Wasser waren, von der aus Menschen Unrat in das Schleusenbecken warfen, war das Becken recht sauber: Lediglich eine Kausche, einen Cent und einen Kronkorken konnte ich fischen. Platzwechsel: In der Nähe war ein Stauwerk. Ich zog also dorthin um und warf den Magneten vom Ufer neben dem Wehr noch zwei mal ins Wasser, ohne etwas am Dingsi zu haben. Bem dritten Wurf saß der Klotz plötzlich fest.

Bombenfest. Rührte sich keinen Millimeter mehr. Ende. Haftete er einfach nur so ungünstig an irgendeinem Unterwasser- Bauteil des Wehres, dass ich ihn nicht abziehen konnte? Lag da unten ein großer Tresor? Oder hatte dort jemand einen X-Wing- Kampfflieger versenkt?? Am Stauwerk entlang führte ein Fußweg. Ich wollte nun das Seil dort hinauf führen und dann von der Brücke aus in eine andere Richtung ziehen, um den Magneten dann vielleicht durch Seitenzug frei zu bekommen. Doch das 20m- Seil am Magneten reichte im schrägen Zug leider nicht bis hoch zum Weg! Mist. Unnu? Ein längeres Seil musste her!

Links unten das Seil, an dessen dunklem Ende der Magnet hockt.

Ich rief meine Liebste an. „Duhuuu?? Was machst denn du gerade? Mäuschen?“, säuselte ich. Sie ahnte, dass ich wieder irgendeinen Mist gebaut hatte: „Ich liege gemütlich auf dem Sofa. Was ist schon wieder passiert?“ Entrüstet gab ich zurück: „Wieso unterstellst du mir eigentlich immer, dass etwas passiert ist, wenn ich dich anrufe? Kann ich nicht auch einfach mal so anrufen, weil ich dich lieb habe?“, um dann kleinlaut zu ergänzen: „Ähm, aber da wir schon mal telefonieren: Du weißt doch, im Keller, der große Karton im Regal … Da müsste ein Seil drin liegen … – Könntest du mir das bringen? Das bräuchte ich mal.“ Sie: „Also doch. Watt hasse nu schon wieder angestellt?“ Ich erklärte ihr meine Misere. Sie war natürlich wenig begeistert: War der Ort meines missglückten Experiments doch eine halbe Stunde Fahrtzeit von unserer Wohnung entfernt! Aber ich wollte den Magneten nicht einfach kampflos aufgeben, also überredete ich sie, mir das Seil nachzubringen. Und sie ging genervt in den Keller, suchte das Seil raus und machte sich auf den Weg. Denn sie liebt mich. Sagt sie schon mal.

Abendliche Idylle. Zeit, um in Ruhe über den Mist nachzudenken, der einem schon wieder passiert ist.

Langsam wurde es schon dunkel. Bis sie bei mir war, hatte ich viel Zeit, zu überlegen, was wohl falsch gelaufen sein mochte. Und wie doof es ist, gleich beim ersten Ausflug so ein Ende zu haben. Und was ich ihr sagen könnte, damit sie mich nicht mehr anschauen würde, wie eine Hundebesitzerin ihren Welpen, wenn er in den Flur gemacht hatte. Vielleicht sollte ich dann auch schauen wie der Welpe. Bei dem klappt es schließlich immer mit dem Versöhnen …

Mausili kam mit dem Verlängerungsseil. Kurz erzählt: Wir zogen damit das Magnetseil auf die Staumauer, führten es in die dem Ufer abgewandte Richtung und zogen mit 120° Winkeldifferenz in die andere Richtung. Aber auch beim Ziehen zu zweit: Der Magnet unter Wasser dachte gar nicht daran, sich auch nur einen Millimeter zu bewegen! Wir zogen und rissen, ich stemmte mich gegen das Brückengeländer: Nix. Damit stand fest: Er haftete nicht einfach irgendwo (dann würde er wahrscheinlich seitlich verrutschen), sondern war höchstwahrscheinlich verklemmt. Einzige Erkenntnis: Ich habe ganz tolle Knoten drauf, die auch halten! Schlacht verloren. Doof, das…

DER soll es werden!

Frustriert band ich das Magnetseil am Fuße des Stauwerkes fest. Vielleicht blieb es dort, bis ich irgendwann einen weiteren Versuch starten könnte, den Magneten herauszuziehen. Aber wahrscheinlich würde das Seil entdeckt, und einer der Entdecker würde es entweder abschneiden oder in den Fluss werfen.

Nachdem ich meine Frau wortreich besänftigen und ihre angefressene Laune wieder etwas aufhübschen konnte, fing ich allerdings schon wieder an zu nerven: Ein neuer Magnet musste her. Dieses mal doppelseitig, mit 2x 175 kg.

Samstag soll er da sein …

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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11 Antworten zu unter Wasser aufräumen, erster Versuch

  1. roerainrunner schreibt:

    Witzig, beim Lesen kamen mir genau diese Gedanken ‚Oh Gott, in solchen Gewässern könnte auch Weltkriegsmunition liegen!‘ und dann wurde es erwähnt.
    Nächster Gedanke: ‚150kg? Kann er dann 150kg ziehen? Nich, dass der Magnet unten bleibt!‘ und er blieb unten.
    Nächster Gedanke: ‚Sowas is doch schweineteuer!‘ und in den Kommentaren: ‚Unter 30 EUR‘.
    Alles klar soweit 😀

    Ich warte dann auf Teil 2 und hoffe, dass ein Tresor mit Millionenschwerer Beute drin lag.
    Oder – wie bei Titanic – irgendein wunderschönes Bild von einer nackten Frau 😀

  2. Frau Katze schreibt:

    Männer und ihr Spielzeug…..*augenverdreh* 😉 😉

  3. Matze schreibt:

    Moin,
    Idee zur Rettung, vielleicht auch für das nächste mal:

    Klemmknoten/Seilklemme am Magnet-Seil herab schieben, z.B. mit Angel oder Gewicht, bis der Klemmknoten weit unter Wasser. Magnetseil spannen, Klemmknoten fest ziehen.

    An dem Klemmknoten einen Hebesack, den du per Schlauch unter Wasser aufpustest.

    Jeder Liter im Sack bringt ca. 1 „kg“ Auftrieb, es sollten also 150 l reichen. Nähen kannst du ja, falls es anderweitig keine Hebesäcke gibt. Aufpumpen per Luftpumpe oder Pressluft, falls du weißt, wo man Pressluftflaschen herbekommen könnte ;-).

    Viel Erfolg und Danke für den tollen Blog!

    • firefox05c schreibt:

      Ich glaube, eine solche technische Rettung wäre für einen Magneten für unter 30€ vielleicht etwas übertrieben. Zumal ich denke, dass der Betreiber des Wehres mir die Polizei schicken würde, um zu fragen, was ich denn dort am Wehr veranstalten würde – und ob ich vielleicht einen am Appel hätte… 😉
      Der neue Magnet ist schon da und war zwei mal erfolgreich baden. 🙂

  4. gnaddrig schreibt:

    Tja, da bräuchte man eine einfache, robuste, billige technische Lösung, um solche Magnete dann vom magnetischen Untergrund zu trennen. Wenn der äußere Rand des Magneten rundum angeschrägt wäre, könnte man eine vor dem Einsatz anzubringende Seilschlinge über eine Art Bowdenzug zuziehen und den Magneten so abheben oder so.

    • firefox05c schreibt:

      Das wäre dann aber wohl eine Apparatur, die Störanfällig und schwer zu werfen wäre, denke ich. (Zumal ich davon ausgehe, dass er nicht bloß magnetisch haftet, sondern verklemmt ist)

      • gnaddrig schreibt:

        Ja, war auch nur ein erster halbgarer Gedanke. Ob es da was wirklich praktikables gibt weiß ich natürlich nicht. Ist aber eben ärgerlich, wenn so ein schöner neuer Magnet verlorengeht. Ich nehme an, Du kannst auch nicht mal eben ein paar Feuerwehrkollegen tauchen lassen?

      • firefox05c schreibt:

        Wohl nicht…
        Morgen fahre ich los, eine Seilrolle kaufen. 😉

  5. Nobody schreibt:

    Das nennst du also Unterwasser aufräumen? Du hast doch nur noch mehr Metall ins Wasser geworfen.
    Aber ich glaube deine Frau liebt dich. Also deswegen, vielleicht auch nur trotzdem. 🙂

    • firefox05c schreibt:

      Ich denke, man sollte in der Bewertung nicht vernachlässigen, dass ich ja in der Tat eine fast gleich schwere Kausche bergen könnte. So nämlich. *Schnüff *

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