Fundstücke beim Magnetfischen: Das Vorhängeschloss

Magnetfischen macht man nicht, um reich zu werden, sondern um „Geschichten“ zu finden. Es ist wie beim Überraschungsei: Man weiß genau, in dem gelben Ding ist in der Regel nur Tinnef, aber man möchte trotzdem gespannt reinschauen … 😉

Einige Gegenstände findet man regelmäßig, wie Teile von Brückensanierungen, Schrauben, Metallstücke und Kronkorken, andere scheinen auf dem ersten Blick „out of place“, also für den Fundort etwas seltsam. Dann fragt man sich, wie sie wohl ins Wasser gekommen sein mögen. Ich hatte die Idee, euch in loser Folge einige meiner „Fänge“ zu zeigen und zwei mögliche Geschichten dazu zu schreiben. Heute: Ein Vorhangschloss, der Clou: Mit Schlüssel!

Möglichkeit 1:

Ben und Janina waren bereits einige Zeit zusammen, hatten aber noch Schmetterlinge im Bauch. Wie viele andere auch, kam Janina in einem Anflug von Sentimentalität strahlend auf den Klops: „Lass uns doch zum Zeichen unserer Verbundenheit ein Vorhängeschloss an die nächste Brücke hängen!“ Gesagt, getan: Ein rustikal aussehendes Schloss war schnell besorgt, und verliebt hängten sie es an das Geländer der nächsten Kanalbrücke. Sie steckten sich jeder einen der zugehörigen Schlüssel ein, gaben sich ein Küsschen und schauten eine Weile glücklich in den Sonnenuntergang.

Doch einige Wochen später war dann Ende der Beziehung: Janina hatte sich in ihrem Lehrbetrieb in die Kollegin aus der Buchhaltung verguckt, und Ben war abgemeldet. Life sucks … Enttäuscht, wütend und verletzt dachte sich Ben: „Wenn die meint, dass sie mir den Laufpass geben muss, brauch das bekloppte Schloss auch nicht mehr von der Verarsche zeugen!“, ging mit seinem Schlüssel zur Brücke, löste das Vorhängeschloss vom Geländer und warf es in den Kanal. Mit Schlüssel. „So. Wech iss‘ wech!“, dachte er sich, und schaute geknickt und alleine in den Sonnenuntergang …

Möglichkeit 2:

nach dem Säubern kann man es wieder benutzen!

Hannes war Schweißer und hockte auf dem Gerüst unter der Brücke. Er packte sein Werkzeug zusammen: Gleich war Feierabend, und dann nichts wie ab nach Hause. Es war ein Scheiß- Tag: Morgens musste er nach dem Aufstehen feststellen, dass ihm die Katze in den Pantoffel gekotzt hatte, dann wollte das Auto nicht anspringen, und als er aus dem überfüllten Bus ausgestiegen war und endlich an der Brücke seine Arbeit aufnehmen wollte, wurde er vom Kolonnenschieber angepflaumt, weil er eine halbe Stunde zu spät dran war. Über den Tag rutschte ihm beim Schweißen der Schlackehammer aus der Hand (siehe Foto), und als er  unaufmerksam um einen Brückenträger herumturnte, hat er auch noch zwei Schraubendreher aus seiner Latzhose in den Kanal versenkt (habe ich auch dort gefunden… 😉  ).

Nun wollte er zum Feierabend seinen Kram zusammenpacken und einfach nur nach Hause. Er klappte seine Werkzeugkiste zu, nahm das Vorhängeschloss, um sie zu verschließen – und das blöde Ding fluppte ihm aus der Hand und verschwand im Kanal. Hasse Scheiße am Schuh, hasse Scheiße am Schuh. Isso.

Und? Welche Geschichte gefällt euch besser? Schreibt es einfach in die Kommentare. Denn wie es wirklich war, werden wir nie erfahren.

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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5 Antworten zu Fundstücke beim Magnetfischen: Das Vorhängeschloss

  1. Chris schreibt:

    Version 1. Weils irgendwie schöner ist.

  2. Karne schreibt:

    Geschichte 2 ist einfach so nachfühlbar. Bin zwar kein Schweißer, aber manchmal hat man einfach solche Tage.

    Kurz nach deinem letzten Bericht ging ich etwas aufmerksamer durch die Gegend. Und an einer Fahrradbrücke über einen Graben war wohl auch jemand Fischen. Dort am Rand lagen jede menge kleiner metallteile und eine uralte Lampe mit Metallschirm 🤣

    • firefox05c schreibt:

      Wenn es zur Abholung an der Straße lag: Alles gut. Sollte es aber nur irgendwie in der Botanik zum weiteroxidieren abgelegt worden sein, war dort leider eine Umweltsau am Werk.

  3. Nobody schreibt:

    Also logisch betrachtet muss Geschichte zwei stimmen. Denn bei Geschichte eins hätten die Namen auf dem Schloss stehen müssen. Zudem hättest du dann das zweite Fundstück nicht gefunden.

    • firefox05c schreibt:

      Einige lassen ihr Schloss zwar nicht gravieren, sondern beschreiben es nur mit einem Stift, aber meistens ist das so wie du schrubst. Von daher wäre es ein starkes Indiz… 😉
      Fällt jemandem noch etwas anderes ein?

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