Böse Falle

Abends, etwa zur Tagesschau- Zeit, fuhren wir mit dem RTW nach einem Einsatz wieder zurück zur Wache. Es war wenig los auf den Straßen, denn es war Wochenende. Auf einer Hauptstraße mit zwei Fahrspuren in unsere Richtung überholte uns plötzlich zügig ein PKW. Dieser schwenkte vor uns nach rechts auf unsere Spur ein und wurde langsamer. Und langsamer. 60… 55… 50… 45…

Mein Kollege Ralf ärgerte sich: „Erst muss er unbedingt an uns vorbei, und nun fängt er an, herumzutrödeln!“ Er setzte die Richtungslämpchen links, um wiederum zu überholen, da der Tünnes vor uns nun wirklich sehr langsam fuhr. Doch dann brach Ralf den Vorgang ab: Im Rückspiegel war zwar auf der linken Spur nichts zu sehen, aber der Schulterblick offenbarte einen weiteren PKW, der genau neben uns im toten Winkel fuhr! Ralf ging vom Gas, um den PKW vorbei zu lassen und hinter ihm rauszuschwenken. Das Auto neben uns wurde aber ebenfalls langsamer, blieb immer schön neben uns …

„Maaaann, was soll das denn jetzt? Was ist das für ein Blödmannsgehilfe?“, fluchte Ralf und trat wieder aufs Gas, denn vor uns hatte sich durch das Verzögerungsmanöver eine Lücke auf dem linken Streifen aufgetan. Dort wollte Ralf nun hinein, um den nun mit etwas mehr Abstand vor uns fahrenden Trödler zu überholen. Doch der PKW neben uns beschleunigte nun ebenfalls – und wir kapierten die Situation: Die beiden gehörten womöglich zusammen! Da versuchten wohl gerade zwei „Autobumser“, uns zu natzen!

Einer der Tricks von sogenannten „Autobumsern“ ist es, ihre Opfer dazu zu bringen, bei einem unaufmerksamen Spurwechsel einen Unfall zu „verursachen“: Ein Komplize bremst das Opfer aus, ein anderer versucht sich unbemerkt neben das ausgewählte Fahrzeug zu bringen. Der Erwählte ärgert sich, schwenkt genervt und unaufmerksam auf die linke Spur, um mit „deutschem Autofahrergruß“ zu überholen – und kracht seitlich in das zweite Fahrzeug der Autobumser, weil er nicht an den toten Winkel gedacht hat. Für die Polizei und die Versicherungen ist die Sache klar: Auto bei Spurwechsel übersehen, das Opfer hat Schuld, die Versicherung bezahlt, das angetitschte Auto wird billig repariert für den nächsten Coup.

Um eine „Wertminderung aufgrund von Vorschäden“ braucht sich niemand Gedanken zu machen: Der beauftragte Gutachter, der natürlich eingeweiht ist, wird am Gewinn beteiligt. Der Schaden durch solche Betrügereien wird von den Versicherungen auf über 2 Milliarden Euro geschätzt.

In diesem Fall hatten die beiden jedenfalls kein Glück: Ralf fiel nicht darauf herein, und als der Typ neben uns das merkte, überholte er plötzlich zügig. Er setzte sich hinter das Fahrzeug vor uns, welches auch auf einmal etwa 40PS mehr zu haben schien, und an der nächsten Kreuzung bogen beide gemeinsam ab. Glück gehabt.

 

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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8 Antworten zu Böse Falle

  1. BRC_Medic schreibt:

    Viele Trusts (Das sind die legalen Betreiber des RD $hier) haben deshalb auch CCTV (Video) der die aussenseite der Fzg ueberwacht. Die haben recht wenig Probleme jetzt damit.

  2. peter schreibt:

    Direkt Kennzeichen an die Polizei weiter geben. Die werden im System am selben Abend ziemlich sicher einen Unfall mit einem der beiden Fahrtzeuge im System haben. Euch mit euren Eindrücken zu haben kann die Situation eines Opfers da deutlich verbessern.

  3. Miki schreibt:

    Man versaut sich ja sein Karma, aber ich hab noch ein paar schlechte Wünsche für solches Assi- Pack übrig! Aber ich glaub auch ans Schicksal, vielleicht bleiben von solchen leuten nur ein paar Blubberblasen, wenn sie mal in einen Tümpel gefahren sind. (Bitte!)

  4. Techniker schreibt:

    Auch wenn nix passiert ist -anzeigen und Eindrücke schildern wenn das Ganze dermassen stinkt. Da kommt erstmal nicht viel rum, der Herr in grün ist vllt auch nicht begeistert, aber vllt. klingeln dann ein paar Glöckchen wenn ein paar Tage später Nummernschild1 in einen Unfall verwickelt ist und Nummernschild2 Zeuge ist.

    • firefox05c schreibt:

      Auf was sollte eine Anzeige fußen? Auf „Nebeneinanderfahren in geschlossener Ortschaft“ oder „unter 50 fahren“? Das hat leider überhaupt keinen Sinn. Selbst, wenn eine Anzeige aufgenommen würde (zB. wenn sie uns agressiv ausgebremst hätten), werden solche Daten aus Datenschutzgründen nicht zusammengeführt. Die Versicherungen haben zum Beispiel alle Daten solcher Unfälle – und können sich trotzdem nicht zusammenschließen. Sie schaffen es nicht einmal im eigenen Haus, so einen Abgleich der Unfallgegner zu machen.

      • Techniker schreibt:

        Für mich ist das eine versuchte Nötigung. Anzeigen darf man alles, solange man keine Dinge erfindet.
        Zumindest Euer Fahrdienstleiter (oder wie heisst das bei Euch?) und die der Nachbarwachen sollten davon erfahren.

  5. Nobody schreibt:

    Sowas bei euch zu machen ist natürlich dreist. Fällt doch bei einem Unfall euer Auto für einige Zeit aus.
    Andersherum wird so zumindest keine private Person geschädigt und bei einem RTW sagt dann auch noch jeder, ja da ist die Sicht eben schlechter.

  6. stuttgarterapothekerin schreibt:

    Nen RTW? Das ist ja echt oberfrech!
    Die haben wohl einen an der Waffel?!?!

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