Corona in da house?

Meine Frau war plötzlich ein „Verdachtsfall“. Eventuell waren wir nun also betroffen. Wenn ich euch eines versichern kann: Man macht sich bei dieser Unsicherheit, bis das Testergebnis da ist, tausend Gedanken. Von „wird schon gut gehen!“, bis zu „ich will sie nicht verlieren!“

Es begann am Mittwoch:

Meine Frau saß am Abend neben mir auf dem Sofa, wir schauten auf unsere bebilderte Entertainment- Elektronik. Ihr Telefon klingelte. Am Quatschknochen war eine Arbeitskollegin. Schnell wurde der Ton meiner Frau ernster. Den Gesprächsfetzen entnahm ich eine schlechte Nachricht: Die Arbeitskollegin wurde positiv auf Corona getestet!

Sie hatte noch am letzten Donnerstag und am Montag im gleichen Büro wie meine Liebste gearbeitet, den ganzen Tag. Und sogar am gleichen Tisch, ihre Computer stehen sich gegenüber. Am Sonntag schon kam sie kaum noch vom Töpfchen runter und sie hatte Gliederschmerzen bekommen, die auch am Montag noch anhielten, als sie trotzdem ins Büro gegangen war. Nach der Arbeit war sie dann zu ihrem Hausarzt gegangen. Dieser hatte es für Sinnvoll erachtet, einen Abstrich zu machen – auch, wenn sie weder Husten noch Fieber hatte. Aber die Symptome von Covid sind eben nicht immer klar definiert. Und der Arzt hatte recht, wie sich dann mit dem Ergebnis herausstellte: Positiv! Nun rief die Kollegin mein Mädchen an und eröffnete ihr die Hiobsbotschaft.

Meine Frau und ich überlegten, wie sie nun am besten damit umgehen könnte, und wir kamen zu dem Schluss, dass sie als „Kontaktperson 1. Grades“ sowohl das Gesundheitsamt als auch ihren Arbeitgeber informieren musste. Aber heute Abend war natürlich niemand mehr zu erreichen. Die erkrankte Arbeitskollegin nervte etwas: Sie schrieb ständig Nachrichten und rief mehrfach an, um sich Rat zu holen. Rat, den man besser auf den einschlägigen Seiten im Internet holen sollte. Oder bei einer der Beratungsstellen. Meine Frau ist jedenfalls Büroangestellte, keine Virologin und keine Epidemiologin. Zwischendurch musste sogar ich mit ihr telefonieren, um ihr die Selbstverständlichkeiten zu erklären, die man in den Nachrichten, die seit Monaten kaum ein anderes Thema kennen, eigentlich schon x- mal gehört haben sollte. Ja, nun muss sie zwei Wochen zu Hause bleiben. Nein, wenn die aus dem Personalbüro sagt, dass sie darüber stillschweigen bewahren und zur Arbeit kommen soll, ist das nicht richtig (das hatte die wohl tatsächlich gefordert!). Ja, es ist ratsam, zur Nachverfolgung eine Kontaktliste zu fertigen, da das Amt mit Sicherheit daran interessiert ist.

Die Arbeitskollegin kannte meinen Schatz erst seit einigen Wochen. War sie nun tatsächlich die einzige vertrauenswürdige Person in ihrem Leben, die sie dazu befragen wollte? Das ist traurig. Ich verstehe natürlich, dass die Kollegin jetzt tief verunsichert war, aber meine Frau war nun nicht die kompetente Beratungsstelle!

Da meine Angetraute sich tausend Gedanken machte, wie es nun weiter gehen würde, versuchte ich sie zu beruhigen: Nein, wir können noch nichts tun. Nein, sie muss bei einer Infektion nicht zwingend erkranken. Nein, die Wahrscheinlichkeit, ausgerechnet zu den 6% zu gehören, die es richtig hart trifft, ist nicht sonderlich groß. Nein, ich denke nicht, dass sie dadurch ihren Job verlieren wird. Insgeheim war mir aber schon klar, dass sie aufgrund ihrer Asthma- Erkrankung zur Risikogruppe gehörte. Man will den Teufel aber nicht an die Wand malen.

Und wenn doch?

Dennoch schaut man sich nach so einer Nachricht bei jedem Hüsterchen besorgt und verunsichert an. Denn wenn es einen erwischt, hat sich jede mathematische Berechnung überholt. Nun, es wird schon gut gehen.

Donnerstag:

Halb sieben. Mäusi machte sich zunächst erst einmal fertig für die Arbeit, weil um diese Uhrzeit noch nichts geklärt werden konnte. Natürlich war so früh noch niemand im Gesundheitsamt oder beim Arbeitgeber zu erreichen. „Ihr habt bei der Feuerwehr doch so eine Telefonnummer, an die ihr euch wenden könnt, nicht?“, fragte sie. „Von eurem Hygiene- Menschen? Kannst du da nicht schon mal anrufen? Ich meine, ich als deine Ehefrau…“ Ich versuchte unsere „interne“ Nummer anzurufen. Es nahm niemand ab. Dann rief ich in der Leitstelle an, um in Erfahrung zu bringen, ab wann dort jemand erreichbar sei. Der Callcenter- Hoschi war etwas überfordert: „Äh… Was für eine Nummer? Und wer soll dann dransitzen? Hmm… Kenne ich nicht…“ Alter, im Ernst? Konnte das wahr sein? Im April oder Mai gab es eine schriftliche Info an alle Wachen darüber, und es hatte sich noch nicht bis zu dem Kollegen herumgesprochen, dass wir eine eigene Hotline hatten? Die nun aber sowieso nicht besetzt war …

Meine Frau verabschiedete sich also von mir: „Ich fahre mal los. Wenn ich auf dem Parkplatz vor dem Büro bin, dann wird meine Vorgesetzte ja wohl schon drin sein. Ich rufe sie dann an und frage, ob ich meine Arbeit trotzdem antreten soll.“ Ich fand es irgendwie schon bekloppt, überhaupt loszufahren. Aber eine halbe Stunde später meldete sich meine Angetraute bei mir: Die infrage kommenden Bürokollegen wurden alle sofort wieder nach Hause geschickt. Eine weise Entscheidung. Als meine Gattin wieder zurück war, unterhielten wir uns. „Ein leichtes Kratzen habe ich schon im Hals….“ gab sie zu.

Der Hausarzt, den sie anrief, versprach einen Rückruf. Schließlich war am Gesundheitsamt immer noch niemand erreichbar: Die Hotline war „aufgrund sinkender Nachfrage“ erst ab 9 Uhr besetzt. Wer hätte den nun steigenden Mehrbedarf auch ahnen können – diskutierte die Regierung doch erst seit fast 2 Wochen mit den Fachleuten über die 2. Corona- Welle, die schon seit Tagen durch steigende Infektionsmeldungen belegt war! Ebenso lange war vermeldet worden, dass die Bundeswehr für die Infektionsketten- Nachverfolgungen Hilfe angeboten hatte, unsere Stadt aber keinen Bedarf sah. Aber die Mitarbeiter des Amtes sprachen später davon, dass sie überlastet seien. Abgesehen davon, dass mich das nicht wunderte: Da passt doch was nicht? Kirchturmdenken? So: „Wir? Wir brauchen doch keine Hilfe von anderen!“?

Ab 9.00Uhr versuchte meine Frau weiter, beim Amt durchzutrommeln. Nun gab es kein Freizeichen mehr, sondern es war immer „besetzt“. „Ich habe mein Telefon nun auf ‚automatische Wahlwiederholung‘ gestellt“, verkündete mein Schatz. Und eine Weile später: „Das war nun der 50. Versuch, durchzukommen. Bin gespannt, wie lange es noch dauert!“

Irgendwann hatte sie endlich jemanden am Telefon. „Dann muss ich Sie anweisen, jetzt 2 Wochen zu Hause zu bleiben“, ordnete die Dame an, nachdem sie alle relevanten Infos abgefragt hatte. „Wir haben zwar sehr viel zu tun, aber wir melden uns wieder bei Ihnen.“ – Na, ob das klappt? Nun denn, jetzt hatte meine Frau schon mal 2 Wochen Zwangsurlaub. Freuen konnten wir uns darüber nicht.

Auch über mich machte ich mir Gedanken: Sollte meine Frau sich infiziert haben, bin ich automatisch ebenfalls in Quarantäne. Also, dann „offiziell“, denn unter diesen Umständen werde ich mich natürlich auch schon jetzt entsprechend zurückhaltend verhalten: Das Wochenende bei meinen Eltern, die 170km entfernt wohnen, war erst mal passé. Nächstes Wochenende, an dem meine Mutter ihren 80. Geburtstag mit uns feiern wollte, konnte ich auch vergessen. Aber seit kurzem hat mein comuterphober Vater tatsächlich ein Tablett, und wenn meine Schwester, die bei ihnen in der Nähe wohnt, ihm Starthilfe gibt, können wir vielleicht mit Zoom videotelefonieren. Gott sei Dank ist mein Job sicher. Aber ich hatte in über 30 Jahren Berufsleben noch nie so viele Fehlzeiten wie in diesem Jahr: Erst im Februar die starke Erkältung, im Sommer 6 Wochen Dienstfrei wegen eines doppelten Bänderanrisses: Ich hatte mich auf einem schlechten Weg amtlich aufs Maul gelegt (so richtig mit „Becker- Rolle“) und mir dabei das Fahrwerk beschädigt. Und vor einiger Zeit dann zwei Wochen Ausfall wegen einer Schultermuskel- OP. Nun womöglich noch mal 2 Wochen Quarantäne. Und ich hatte den Eindruck, dass meine Zunge belegt war. Aber der Kaffee schmeckte noch.

Der Kassenschamane rief gegen Mittag zurück. Er konnte meinem Schatz erst einen Test- Termin für Montag geben, denn auch in der Praxis war die „Infektions- Sprechstunde“ gut ausgebucht. Mausi fing nun an, ab und zu trocken zu husten. Hoffentlich war es nur eine Erkältung! Nachmittags schlief sie auf dem Sofa ein: „Ich bin so müde… dabei habe ich doch kaum etwas getan!“

Gegen Abend klingelte ihr Handy: Das Gesundheitsamt kündigte für den nächsten Tag ein Abstrich- Team an. Bei der Feuerwehr nennen wir diese Teams, die Hausbesuche bei möglicherweise Infizierten machen, scherzhaft „Stricher“. Hatte der Hausarzt noch gesagt, dass das Amt „nur bei eindeutigen Symptomen“ testen würde, hatte die Dame im Amt das „leichte Kratzen im Hals“, gepaart mit Asthma, wohl als Grund genug gesehen, um meine Gattin testen zu lassen. Uns sollte es recht sein.

Freitag:

noch alles gut…

Meine Frau bekommt vermehrt Atemnot. Sie benutzt ihr Berotec- Spray nun häufiger als sonst. So richtig Gedanken machte ich mir, als ich sah, dass meine Liebste nur vom Arbeitszimmer in die Küche ging und sich dann erst einen Moment erholen musste: Sie stützte sich außer Atem auf die Rückenlehne eines Küchenstuhles und musste erst mal durchschnaufen. Ich bekam einen Klops im Hals: Sollte sie nun wirklich erkranken? Wie schlimm wird es werden? Ich versuchte, die aufsteigende Angst zu unterdrücken, denn sie war nicht zielführend. Aber die Tränen standen mir in den Augen, befürchtete ich doch, dass sie in zwei, drei Tagen „so richtig an der Ecke liegen“ würde. Eine Horror- Vorstellung! Aber ich fand, ich sollte in ihrem Leben auch weiter der „Fels in der Brandung“ sein. Ich hoffte, dass ich das schaffe. Ich könnte mich später ja bei einem Feuerwehrkollegen ausheulen, wenn es sein musste.

Großeinkauf

Da ich auch ohne offizielle Order in dieser Situation möglichst wenig Kontakt haben wollte und meine Frau nun einmal nicht selbst einkaufen konnte, entschloss ich mich, unsere Vorräte aufzufüllen, bevor ich die Wohnungstür dann abschließe. Der Einkaufswagen war so voll, wie schon lange nicht mehr: Konserven mit Fertiggerichten, Obstkonserven, Reis und Nudeln, Saucen, Süßigkeiten, H- Milch, Pumpernickel … alles, was sich länger hält – nur kein Toilettenpapier. Denn erstens gab es in dem Laden sowieso schon keines mehr, und zum Zweiten hatten wir noch 12 Rollen im Schrank – das wäre für fast jeden Tag der zwei Wochen eine ganze Rolle! Ich denke, so viel könnten wir beide gar nicht kacken, dass das nicht reichen würde … Ich weiß auch nicht, was in Leuten vorgeht, die sich den Keller mit Rektalkrepp vollbunkern. Ich denke, wenn es ernst wird, sollte das größte Problem nicht das finden eines Ersatzes für Arschpapier sein. Viel interessanter wäre es, genug zu essen zu haben! Nun gut, vielleicht steht dann „Charming mit Pesto“ auf der Mittagskarte.

„Ich bin schon wieder so müde“, beklagte mein Schatz sich – und da war es gerade einmal Mittag! „Gut. Dann essen wir nun, und wenn dir das Blut in den Darm sackt und du ‚Suppenkoma‘ bekommst, kannst du ein Stündchen schlafen.“ Ihre Nase fing nun auch an zu laufen. Vielleicht ist es ja doch nur eine Erkältung. Meine Sorgen konnte ich aber nur schlecht verbergen.

„Ich habe mit Claudia von oben gesprochen“, informierte mich meine Frau. „Sie hat gesagt, wenn wir Hilfe bräuchten, sollten wir bescheid geben.“ Eine gute Nachbarschaft ist in solchen Situationen eine Erleichterung. Ich erinnerte mich daran, dass ich meine Frau bei unserem Einzug ermuntert hatte, alle Nachbarn, die ihr im Treppenhaus begegneten, einfach kurz anzuquatschen und die Gelegenheiten für einen Smalltalk zu nutzen. Aus dieser gesellschaftspolitischen Taktik entwickelten sich gute Beziehungen, die sich nun auszahlen würden: Man hilft sich. „Wenn wir mal was brauchen, denke ich, dass es auch kein Problem wäre, meinem Kollegen Stefan eine Einkaufsliste zu schicken“, fiel mir dazu ein. „Der könnte uns dann vor oder nach dem Dienst was vor die Tür stellen. Erst neulich noch hat er gesagt, dass er sich gerne für meine Hilfe, die ich ihm immer gebe, revanchieren würde. Nun wäre die Gelegenheit.“ Wir witzelten darüber, einen Plan aufzustellen, welche Freunde und Nachbarn wir reihum zum Einkaufen schicken. Ich denke, diesen Luxus hat in unserer anonymen Gesellschaft nicht jeder.

Die Seuchentruppe kommt!

Nachmittags kamen „die Stricher“ vom Amt. Ein neutrales, graues Auto hielt vor der Tür, und zwei Studenten stiegen aus. Einer zog sich die volle Schutzkleidung mit Brille und Kopfhaube an und kam ins Treppenhaus. Ich weiß, dass die feuerwehreigenen Stricher in der Dienstanweisung dazu angehalten wurden, sich nach Möglichkeit erst vor der Wohnungstür umzuziehen, um unnötiges Spektakel bei den Nachbarn zu begrenzen. Mir fielen Fälle in den Medien ein, wo sich Betroffene beschwerten, dass sie auf so eine Aktion hin von den Nachbarn geschnitten oder gar beschimpft wurden! Den Abstrich nahm der bekittelte Stäbchenschwinger direkt an der Wohnungstür. Just in diesem Moment machte die Bewohnerin gegenüber die Tür auf, bekam große Augen und schloss die Tür wieder! Na toll. So sollte das eigentlich nicht laufen. Sobald die Leute weg waren, rief ich die Nachbarin an und erklärte die Situation. „Ich hatte gehört, dass Sie im Treppenhaus waren, und wollte Ihnen eigentlich nur sagen, dass wir zwei alte Matratzen in den Kellergang stellen wollen…“ Dazu muss man sagen, dass wir auch mit diesen Nachbarn ein gutes Verhältnis pflegen, gegenseitiger Wohnungsschlüssel- Austausch inklusive. Super: Ein mal in fünf Jahren tauschen sie die Matratzen aus, und ausgerechnet in dem Moment, in dem meine Frau zum ersten Mal in 38 Jahren durchs Amt abgestrichen wird, will die Nachbarin uns über ihren Sperrmüll informieren! Mathematiker vor: Ich denke, das ist schon eine sehr kleine Wahrscheinlichkeit, dass das zusammentrifft … Vielleicht sollte ich heute noch einen Lottoschein ausfüllen.

Abends hustete mein Augenstern immer noch sehr trocken. „Mir tut vom husten schon der Rücken weh!“, beklagte sie sich. Und ich hatte wieder einen Klops im Hals. Und meine Zunge fühlt sich immer noch verbrannt an – abgesehen davon, dass auch ich nun einen leichten, trocknen Husten habe. Aber ich habe auch zwei Tage unter einer zugigen Brücke mit dem Magneten nach Schrott geangelt, vielleicht bin ich nur etwas verkühlt.

Samstag:

Gestern vor dem zu Bett gehen eröffnete mir meine Frau, dass sie nun auch Kopfschmerzen hatte. Diese wurde sie auch am Samstag nicht los. Im Arbeitszimmer, wo sie die „Zwangs- Freizeit“ mit aufräumen und dem sortieren der Papiere totschlagen wollte, musste sie ihre Beschäftigung mehrfach unterbrechen. Sie war zu müde, zu abgeschlagen. Aber schlafen konnte sie nicht. Als sie mit einer Freundin telefonierte, bekam ich mit, wie sie ihr verriet, dass sie sich die gleichen Sorgen wie ich machte, aber es mir nicht zeigen wollte. Sie merkte eben auch, dass in mir die Gedanken Amok liefen. So versuchten wir beide, uns gegenseitig etwas zu beruhigen.

Ich musste nochmals ein, zwei Besorgungen machen. Schlechtes Gewissen. Peinlich genaues Einhalten von Abstand zu anderen Menschen. Immer mit Maske. Und wenn ich nun durch meine Angetraute schon infiziert wurde? Reichen Abstand und Maske wirklich? Im Geschäft ein kurzer Blick ins Hygieneregal: Es waren noch ein paar Packungen Toilettenpapier da. Aber die Leute scheinen immer noch zu hamstern. Die Konservenregale waren indes voll.

Meine Schwester, die wir am Wochenende noch besucht hatten, machte sich nun Sorgen, dass – falls meine Frau das Virus hat – meine Eltern angesteckt haben könnte, bei denen wir ebenfalls vorbeigeschaut hatten. Meine Mutter wird in ein paar Tagen 80 …

Die gestern noch belegte Zunge, die sich wie Leder anfühlte, war wieder besser geworden. Aber Schatzi erzählte mir, dass sie mehrfach am Tag Atemübungen mit Lippenbremse machen musste, um nicht alle Nase lang am Spray zu hängen. Es sei ein Gefühl, als sitze jemand auf der Brust. Auch der Husten war noch da, aber ich hatte den Eindruck, dass er nicht schlimmer geworden war. Allerdings war ihr nach einem der Hustenanfälle schwarz vor Augen geworden, wie ich zufällig sah. Erzählt hatte sie es nicht.

Sonntag:

ein paar Schritte, und sie bekommt Atemnot.

Die Gattin schickte mich zum Brötchen holen. Noch durfte ich ja – ob es sinnvoll war, steht auf einem anderen Blatt. Als ich wieder zurück kam, hatte die Liebste in der Küche den Frühstückstisch gedeckt und stand keuchend an der Arbeitsplatte: Die paar Schritte hin und her hatten schon gereicht, um ihr die Luft zu nehmen. Mittlerweile war ich mir einerseits fast sicher, dass das Testergebnis positiv sein würde, aber auch etwas beruhigter, dass sie scheinbar einen gemäßigteren Krankheitsverlauf hatte.

Heute sollte eigentlich das Testergebnis kommen. Um 16.30 war noch keine Nachricht da. Heute lief aber auch mein Urlaub aus, und so langsam musste ich mir Gedanken darüber machen, dass ich auf der Wache bescheid gebe, ob ich für die kommende Schicht geplant werden kann – oder ob ich ebenfalls Stubenarrest bekommen würde, weil die Frau „positiv“ war.

Ich hätte gerne mit meinen Eltern mal per Video telefoniert, mein Vater hat schließlich das erwähnte Tablett (auch, wenn er sich wahrscheinlich noch fragt, wieso das Display ständig irgeneine andere Webseite aufruft, wenn er mir etwas zeigen will). Aber alleine bekam er es natürlich nicht hin, sich in einen Zoom-call einzuklinken. Und meine Schwester, die ich ihm zur Hilfe schickte, konnte zwar das Bild, aber nicht den Ton starten. Wahrscheinlich hatte sie die „Internet- Telefonie“ nicht freigegeben. Das fand ich unter diesen Umständen schon sehr schade. Mir fiel aber auch niemand anderer ein, den ich dort mal vorbeischicken könnte, um die IT- Probleme zu lösen.

Den dritten Tag in Folge bekam mein Augenstern nun am späten Abend auch Kopfschmerzen. Ob das auch mit einer Infektion zusammenhängen könnte? Außerdem beklagte sie sich, dass ihr mal heiß, mal kalt war. Das Fieberthermometer zeigte aber den ortsüblichen Wert. Der Husten war nicht besser geworden. Vielleicht sogar etwas schlimmer als gestern. Weil sie sich immer wieder über Schwindel beklagte, habe ich mal nachgemessen. Blutdruck: 95/65. Einem Patienten würde ich nun wahrscheinlich eine Infusion anlegen.

Montag:

Die Holde war schon wieder mit Kopfschmerzen aufgewacht. Und mit Schwindel. Der Blutdruck war erwartungsgemäß niedrig: 100/65. Aber der Husten schien etwas besser.

„Ruf doch mal beim Amt an, vielleicht wissen die schon was vom Test!“, forderte ich sie auf. Meine Angetraute versuchte es. Nach nicht einmal 10 Minuten kam sie auch durch. Doch der Behördling musste ihr mitteilen, dass er keine Auskünfte geben könne. Sie solle warten, bis das Amt sich bei ihr melden würde. Also weiter auf heißen Kohlen sitzen und das schweigende Telefon beäugen.

Auch, wenn das Ergebnis des Tests noch nicht mitgeteilt wurde, brauchte ich eine Entscheidung, wie es in meinem Dienst weitergehen sollte: War meine Gattin positiv, würde ich automatisch mit in Quarantäne geschickt und müsste mich abmelden. Sollte der Test negativ sein, wäre ich dienstfähig. Aber der Chef musste das Personal für den nächsten Dienst noch heute morgen planen! Ich meldete mich mit der elektronischen Trommel auf der Wache. „Hmm… Du hast doch noch einen ungenutzten AZV- Tag“, schlug Chefchen vor. „Wenn ich dich da eintrage, würdest du im Personalstamm nicht fehlen. Ich würde dann jemanden von einer anderen Wache zur Vertretung ordern.“ So verblieben wir: Ich opferte meinen freien Tag, ohne einen bestimmten Grund dafür zu haben, und wenn ich Stubenarrest bekommen würde, müsste ich ihn mir eben wieder gutschreiben lassen. Aber irgendeine Planungssicherheit brauchte der Wachführer ja.

So verbummelten wir den Tag bis etwa 15.30Uhr, als dann endlich der erwartete Anruf kam: Der Test war negativ! Einerseits war ich erleichtert über die Nachricht: Denn wenn meine Frau keine Covid- Infektion hatte, war zumindest keine starke Verschlechterung zu erwarten. Andererseits: Wenn die Symptome so gut passten … konnte das Ergebnis eventuell falsch sein? Auf jeden Fall wollten wir am kommenden Tag noch mal den Hausarzt befragen. Denn am Zustand der Frau sollte eventuell trotzdem irgendwas gemacht werden. Die Beschwerden waren schließlich vorhanden.

Dienstag:

behördlicher Stubenarrest …

Das Gesundheitsamt schickte einen Gruß per Post. Und eine nicht zur Diskussion stehende Anordnung: Mausi hatte noch eine weitere Woche die Füße still zu halten. Im Klartext hieß das: Ordnungsverfügung. 3 beidseitig bedruckte Seiten klärten uns auf über die Gründe und die rechtliche Grundlage. Noch bis nächste Woche sollte unsere Tür zu bleiben. Also, zumindest für meine Frau, denn ich durfte weiterhin in der Gegend herumlaufen. Allerdings stand in der OV auch: „Sie sind bisher symptomfrei. Sollten Symptome auftreten, …“ Nun ja. Formbrief eben. Mausi packte das Dokument umgehend wieder in einen neuen Umschlag und adressierte ihn an den Arbeitgeber. Nicht, dass ihr auch noch Urlaub für die Quarantäne abgezogen wird.

Die Hausdruidin versprach telefonisch, am Mittwoch oder Donnerstag jemanden zur Blutabnahme vorbei zu schicken, um den Beschwerden der Liebsten auf den Grund zu gehen. Der Husten wurde weniger, aber immernoch war sie sehr schnell aus der Puste: Von der Küche ins Wohnzimmer, und sie musste sich aufstützen und die Bronchen mit der Lippenbremse- Methode wieder etwas weiten. Fast jedes mal, wenn sie ein paar Meter lief. Das kannte sie bisher in dieser Form noch nicht. Und ständig war sie erschöpft. Und der Kreislauf pendelte irgendwo um 100 zu irgendwas. War es doch ein grippaler Infekt, aber ohne Fieber?

Aus der Firma, in der meine Frau angestellt war, kam nachmittags die Info, dass dort ein Weg gesucht würde, die Mitarbeiter der Abteilung im Home Office arbeiten zu lassen, denn es gab noch einen weiteren Infizierten im Büro.

Mittwoch:

Die hausärztlichen Vampiere ließen sich auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht blicken. Vielleicht morgen. Schatzis Husten hingegen war fast weg. Wenigstens schien es nun etwas bergauf zu gehen. Auch ich beruhigte mich langsam und machte mir kaum noch Sorgen, dass etwas schief gehen könnte. Auf der Wache sagte ich bescheid, dass ich auch ohne Quarantäne den freien Tag nehmen wollte, der für mich geplant war. Sicher war sicher, denn auch mit irgendwelchen anderen Infektionen möchte ich nicht im Dienst auftauchen.

Mal kurz um‘ Block. Auch, wenn er nur aus Brot ist.

Abends fand die Frau ihren Humor wieder: „Schatz, ich habe lange genug hier rumgegammelt. Lass uns mal eine Runde um den Block gehen!“ Sie stand auf und ging grinsend zur Balkontür. „Mooment!“, gebot ich Einhalt. Ich verschwand kurz im Vorrat und kam mit einer Packung Pumpernickel zurück: „Wenn schon, denn schon.“ Ich legte den Brotblock auf den Balkon: „JETZT können wir um den Block gehen.“ Lachend umrundeten wir ihn zwei mal, bevor wir wieder ins Gehäuse verschwanden …

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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7 Antworten zu Corona in da house?

  1. Ingo S. Anders schreibt:

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht! Das trifft in etwa meine Befürchtungen.

  2. Mirage schreibt:

    Au weh! Gute Besserung für die Liebste und Öhrchen schön oben halten.

  3. Tirsi schreibt:

    Euch beiden die starken Nerven die ihr braucht und die Kraft alles zu überstehen!
    LG, Tirsi

  4. pharnikki schreibt:

    Auf der Anordnung ist noch eine Adresse zu lesen

  5. M. schreibt:

    Werter firefox,
    gute Besserung der Partnerin und danke fürs Teilhabenlassen an den persönlichen Eindrücken.
    ! Im Foto vom Quarantänebescheid ist die Adresse noch nicht gepixelt !
    Alles Gute.

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