Alles für den Job …

Irgendwann ist man in dem Alter, in dem der gewöhnliche Alltag nicht mehr reicht, um sich für den Job fit genug zu halten. Dann muss man wohl oder übel nachhelfen.

Der Jogging- Versuch ging daneben: Ich bekam nach dem 3. Lauf eine Sehnenreizung. Aber wir hatten da ja noch dieses Fahrrad im Keller stehen, was seit Jahren vor sich hin dämmerte! Also beschloss ich, dass Fahrrad fahren besser für die Achillessehne sei und kaufte mir in dem Wissen um einen untrainierten Derrière zunächst im Fachhandel einen guten Sattel mit Vermessung des ersteren, damit das zu erstehende gelhaltige Konstrukt deutscher Ingenieurskunst die perfekte Verbindung zwischen Mensch und Maschine sei. Dieser (also, der Sattel) war zwar nach Erhalt schnell montiert, aber der Ausritt musste aus wetterbedingten Gründen zunächst mal einen Tag warten.

Das Setup:

Alt, und fährt erst, wenn man es tritt.

In unserem Fahrradkeller befinden sich für 17 Bewohner 21 Fahrräder. Unseres ist der schäbbigste Trümmer. Es ist ein lilafarbenes Damenrad von vor der Ölkrise, 26 Zoll, französische Ventile, 7 Gänge, einen Korb am Lenker und zwei Satteltaschen aus dem Apotheken- Bonusprogramm. Und nun einen sehr teuren, aber passenden Sattel. Das völlig überdimmensionierte Bügelschloss kam sich an seinem Arbeitsplatz wohl etwas verarscht vor. Die Schutzausrüstung besteht aus einer schmutzig- orangenen Windjacke, ein Paar Motorrad- Sommerhandschuhen, einem bunten Halstuch mit Aufdruck des Schützenvereines und einem noch jungem Helm. So vorbereitet wollte ich in den Krieg ziehen.

Der erste Versuch:

15.00Uhr: „Ich muss noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen. – Ach, dann könnte ich ja mit dem Fahrrad fahren!“

15.05: „Wo sind denn die Handschuhe?

15.09: Helm entstauben. Halstuch um, ab in den Keller.

15.11: Fahrrad abgeschlossen. Wieder rauf in die Wohnung.

15.16: „Wo iss’n der bekloppte Schlüssel?“ Schlüssel gefunden. Runter in den Keller.

15.20: Fahrrad aufgeschlossen, eine Treppe hoch vor das Haus geschleppt und auf die Reifen gestellt. Auf die platten Reifen.

15.25: Ich pumpe wie blöde. Ein Ventil verbogen, aber noch dicht. Helm und Halstuch aufgrund unerwünschter Wärmeentwicklung am Haupt wieder abgenommen.

15.28: Beide Reifen aufgepumpt. Halstuch um, Helm auf. Beim aufsteigen bleibe ich mit der Hosentasche an der Sattelspitze hängen. Mein Schlüpper bekommt nun Luft.

Egal: ABFAHRT! 😀

15.30: Der Sattel klappt nach hinten: Nicht fest genug verschraubt. Umkehren.

15.36: Fix eine Zange aus der Wohnung geholt und der Verschraubung noch eine Umdrehung gegönnt. ABFAHRT!!! 🙂

15.39: Der Sattel klappt nach vorn. Immer noch nicht fest genug. Nochmal umdrehen.

15.44: Ich stehe im Keller und suche passendes Werkzeug. Dieses mal wirklich Ratsche und Nuss.

15.47: Sattel fest, Werkzeug in einer der hochwertigen (Brüller!!! XD ) Satteltaschen verstaut. Abfahrt. :-/

15.58: Nach ein paar mal schalten und fluchen funktionieren schon wieder 4 der 7 Gänge: 1, 2, 3 und 6. Ein Drittel der Strecke geht bergauf.

16.08: Ich habe eine Sportler- Lunge aus Stahl!!!! (Jedenfalls schmeckt sie so …)

16.12: Ich bin am etwa 4km entfernten Supermarkt angekommen. Laut Google sollte das nur 13 Minuten dauern. Ich habe wohl eine veraltete App- Version, muss später mal ein realistischer rechnendes Update ziehen. Meine Zunge ist 2x fast in die Speichen geraten. Mit Knien aus Gummi und rotem Körbchen über dem Arm wackele ich durch die Gemüseabteilung.

16.25: Ein paar Kleinigkeiten zusammengesucht, an der Kasse vorbei. Der Himmel bezieht sich dunkel.

16.40: Ich bin wieder zu Hause. Bergab geht’s schneller. Ist auch zum Glück trocken geblieben.

Durchgeschwitzt lasse ich das Fahrrad vor der Tür stehen und schleppe mich in die Wohnung. Einkäufe auspacken, duschen, Hose wechseln.

Das Fahrrad ist nicht abgeschlossen. Vielleicht klaut ja jemand den Drahtesel.

Spoiler: Den Klumpen will keiner haben. Ich musste zwischenzeitlich wieder mehrfach damit fahren. Aber so langsam gewöhnt man sich dran.

Was tut man nicht alles für den Job …

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
Dieser Beitrag wurde unter Feuerwehr und Rettungsdienst veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Alles für den Job …

  1. michaelcarljohanns schreibt:

    Ich empfand es als Lustig die Geschichte ist bei mir gut angekommen.

    Gruß Michael

  2. Daniel schreibt:

    Deine Schilderung kommen mir größtenteils nicht unbekannt vor. Am Anfang hatte ich auch so manche Probleme mit dem Radfahren. Aber mittlerweile habe ich das meiste so einrichten können, dass es recht praktisch funktioniert. Gut finde ich, dass man das Nützliche (Bewegung) mit dem Notwendigen (Einkauf, Fahrt zur Arbeit, …) oder dem Schönen (Besuch bei Freunden und ähnliches) gut verbinden kann. Mich nur zum Joggen aufzumachen, würde mir wohl manchmal Schwierigkeiten bereiten. Aber bei einer Fahrt, die sowieso ansteht, das Fahrrad zu nutzen, kostet mich kaum Überwindung.
    Was mich doch manchmal ägert ist, dass es gerade in Großstädten noch einige Mietshäuser gibt, in dessen Umfeld es zwar viele Parkplätze gibt, aber keinen einzigen ebenerdig zugänglichen, gesicherten Abstellplatz für Fahrräder. Beim nächsten Umzug werde ich darauf achten, eine Wohnung in einem entsprechend ausgestattetem Haus zu wählen.

  3. Thomas U. schreibt:

    Na, das war ja eine gelungene erste Ausfahrt 😉 Aber wer kann es dem Rad verübeln, erst lässt man es ewig im Keller vor sich hin stauben und dann soll es plötzlich funktionieren. Da würde ich auch streiken und meinem Besitzer zeigen, was ich davon halte.

    Mein Drahtesel ist zum Glück ein recht pflegeleichtes Modell, etwas Luft in die Reifen, ein bisschen Fett auf die Kette und die Winterpaue kann beendet werden. Leider plagen nun die Pollen und hindern mich erstmal am Fahren, sonst hätte ich dem einzigen Sport, dem ich eine gewisse Zuneigung entgegenbringen kann, schon etwas mehr derselben geschenkt. Schließlich wartet die weihnachtliche Zunahme des Körperumfangs immer noch auf Beseitigung.

  4. HaJo schreibt:

    Bei dem königlichen Sattel (Selle Royal) würde ich die Schnellklauhalterung der Sattelstütze durch ein Exemplar mit Innensechskant oder Innenfünfkant ersetzen. Nicht, dass das Super-Heavy-Bügelschloss sich hintergangen fühlt, wenn vorm Supermarkt ein Langfinger zuschlägt.

    Was das Leck in der Hose angeht: Bügelflicken! Mit Schweißbahn bekommt man Dächer regenfest, mit Heisskleber beschichtete Flicken dichten auch Hosen ab.
    (Schleichwerbung: 100 Flicken für 75 ct bei Pollin-Electronic).

    Immerhin gingen die kleinen Gänge. Mit gerissenem Bowdenzug im höchsten Gang den Berg hinauf…

Deine Meinung ist gefragt:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.