Unangenehmes Mahnmal

In der letzten Saison hatte ich mein Motorrad etwas vernachlässigt. Wobei: „etwas “ ist etwas untertrieben: Ich hatte den Hobel aus dem Winterlager geholt (also, im Frühjahr 2020…) und an die Straße vor meinem gemieteten Domizil abgestellt. Dort gibt es einen Parkstreifen parallel der Fahrbahn. Nun stand es da, unter einer Abdeckung geschützt, auf dem Parkstreifen und wartete auf einen Ausritt, der nicht kam, weil ich tausend andere Flausen im Kopf hatte.

Über den letzten, etwas sparsam ausgefallenen Winter ließ ich es gleich dort stehen. Und bemerkte zwischendurch, dass der TÜV im letzten Oktober ausgelaufen war. „Muss ich bei Gelegenheit mal dort hinbringen“, seufzte ich meiner Angetrauten entgegen, als sie danach fragte, denn sie hatte es auch schon bemerkt, als sie hinter dem japanischen Fortbewegungsmittel einparkte und ihr Blick auf das heckseitig angebrachte Kuchenblech fiel. Dabei blieb es aber dann auch wieder, denn um damit zu fahren, war das Wetter eh‘ nicht gerade Sahne. Es stand dort ja nicht im Weg. Und wenn das Wetter besser werden sollte, wollte ich den Bock natürlich dem Prüfer vorstellen, um dann wieder losknattern zu können.

Es wurde Januar, es folgte der Februar, und der März war so schnell vorbei, dass ich kaum merkte, dass es bereits Ende April war, als ein Nachbar anklingelte: „Du solltest mal nach deinem Moped schauen. Dort hat sich gestern so ein Opa rumgetrieben, und heute war die Polizei da und hat ein Ticket drangehängt.“ Na klasse. Dem Blockwart der Geranien- SS war die falsche Farbe auf der TÜV- Plakette aufgefallen, was er ordnungsgemäß gemeldet hat. Und tatsächlich: Ein Gruß von der Ordnungsmacht mit einer Einladung, den TÜV- Bericht doch bitte innerhalb von ein paar Tagen der Zulassungsstelle vorzuzeigen, war dort angebracht. Im Gegensatz zu sonstigen Veranstaltungen erwarb ich hier mit der Zahlung der Teilnahmegebühr allerdings kein Freigetränk.

Nun gut: Das Motorrad war zwar versichert und zugelassen, und im Verkehr wurde es gar nicht bewegt, aber es steht nun mal so im Gesetz, dass es alle zwei Jahre geprüft werden muss. Und wenn die Polizei „durch den besorgten Bürger Kenntnis davon erlangt“, muss sie handeln. Am Ende der Woche hatte das Verkehrsamt die abgestempelte Karte vorliegen. Im Laufe der gleichen Woche kam dann auch das offizielle Schreiben des Ordnungsamtes, das offensichtlich ebenfalls Kenntnis von dem Vorgang erhalten hatte. Ich bezahlte also die 25€ Erinnerungspauschale an die Stadt. Was der Empfänger allerdings wohl nicht schnell genug weitergemeldet hatte, denn in der kommenden Woche bekam ich nochmals einen Drohbrief der dienstwagenfahrenden Zunft mit einer erneuten gebührenpflichtigen Aufforderung, die Sache doch jetzt gerade zu ziehen. Allerdings mit einem anderen Aktenzeichen als dem vom Ordnungsamt und einer weiteren Zahlungsaufforderung, dieses mal an eine andere Verwaltungsstelle. Lief die Sache also parallel? Wollte „Horch&Guck“ auf Nummer Sicher gehen und hatte sowohl bei der Polizei, als auch beim Ordnungsamt Alarm geschlagen? Ich rief also bei der Polizei an und wollte die Sache klären: „Guten Tag. Ich habe eine Karte wegen einer TÜV- Überschreitung bekommen, und nun…“ Die Dame am anderen Ende unterbrach mich und erklärte mir ohne Punkt und Komma sehr ausführlich, dass ich nun die Strafe zu zahlen und die vom TÜV- Prüfer abgestempelte Karte nach der Prüfung ans Autoamt zu schicken hätte. „Jaja, das habe ich doch schon gemacht, aber nun habe ich nochmals eine Zahlungsaufforderung …“ Sie unterbrach mich erneut mit der Einleitung: „Das wird auch immer wieder kommen, so lange Sie nicht bezahlt haben, denn … [hier wiederum eine offenbar vorgedruckt neben dem Diensttelefon liegende ausführliche Erklärung einfügen]“ Als ich irgendwann (nach dem duschen, rasieren und Hund Gassi führen) wieder zu Wort kam, konnte ich ihr endlich sagen, dass ich schon bezahlt hatte, und zwar an die Stadt. Ich fasste mich dabei möglichst kurz, um einer erneuten Erklärung von Vorgängen, die ich schon längst hinter mir hatte oder auf mich gar nicht zutrafen, aus dem Wege zu gehen. „Ach so…“ Endlich waren wir bei meinem Anliegen! „Nun ja“, meinte sie, „dann brauchen Sie uns nur einen Nachweis schicken, dass Sie den Betrag bereits überwiesen haben. Das geht auch per Mail. Ein Screenshot der Überweisung reicht.“ Na bitte! Bis auf die letzten 10 Sekunden war alle Vorrede überflüssig. Sie wird ja in der Zeit bezahlt, aber bei mir geht es von der Freizeit ab. Zwei Tage später folgte dann die Nachricht, dass der Vorgang nun eingestellt worden war.

Ich war nun der Ansicht, dass der Späher ruhig wissen durfte, dass er bei seiner Beweiserhebung in Sachen „Systemumstürzler in die Schranken weisen“ beobachtet worden war. „Der Blockwart hat ein Recht darauf, zu erfahren, dass seine Bemühungen nicht umsonst waren“, sagte ich also zu meiner Liebsten, und schrieb eine Nachricht für den Aufpasser:

„Lieber Nachbar!

Danke, dass Sie die Polizei gerufen haben, die mich an den abgelaufenen TÜV- Termin erinnern konnte. Dauer- abgeparkte Motorräder ohne TÜV sind schließlich echt gefährlich…

Vielleicht können Sie mich in 2 Jahren, wenn das Motorrad immer noch hier stehen wird, schon vor dem TÜV- Ablauf daran erinnern.

Bis dann, [Name]“

Diese Nachricht druckte ich aus und laminierte den Zettel ein, damit er wetterfest wurde. Das Motorrad stellte ich dann wieder genau auf den Platz an der Straße, auf dem es zuvor schon Monate geparkt war, und klebte das Schild ordentlich auf der Gehwegseite an die Motorradabdeckung. Dort prangte es nun etwa zwei Wochen, während derer jeder Passant das Schild lesen konnte und nun wusste, dass in der Nachbarschaft ein „Blockwart“ aufpasste. Und es wirkte: Offenbar war dieses „Mahnmal“ dem Ansager doch sehr unangenehm. Ob er mitbekommen hatte, dass einige Anwohner sich fragten, wer es denn gewesen sein mochte? Oder er vielleicht sogar selbst damit geprahlt, aber nicht mit einer solch plakativen Rückmeldung gerechnet hatte?

Danke für die Rückgabe. Kann leider keine Quittung ausstellen…

Jedenfalls hatte „irgendjemand“ das Schild von der Abdeckung abgerissen und sich die Mühe gemacht, es mir „zurück zu geben“, indem er es in meinen Briefkasten steckte. So wusste auch ich, dass die Botschaft angekommen war. Der Ordnungshüter zog es jedoch leider vor, weiterhin anonym zu bleiben.

Es geht doch nichts über funktionierende Informationsketten.

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Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Unangenehmes Mahnmal

  1. Micha Ströe schreibt:

    🤣 Geranien SS ……….

  2. BRC_MEDIC schreibt:

    Da hat sich der IM der Stadt ja schon einen geleistet. Er wird sich wohl weiter verstecken, da er mit dem Entfernen des Hinweises ja Sachbeschädigung begangen hat. Wahrscheinlich wird man ihm den Bonus deshalb kürzen. Oder er wird nicht „Petze-des-Monats“. Wird schon irgendwas in der Richtung sein.

  3. WPR_bei_WBS schreibt:

    Zu was die Corona-Langeweile die Leute so treibt. Warum hast du eigentlich überwiesen – hätte das Personalamt nicht einfach 25 EUR weniger überweisen können? Jetzt ging das Geld erst hin und dan wieder her. Wenn das Greta sieht, was da wieder an CO2 verblasen wurde ;-).

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