Nachbarschaftshilfe mit „Mobile Retter“

Die Nachbarin schaute besorgt auf ihr Handy: Der Sohn, mitte Vierzig, war schon den ganzen Tag nicht Online. Nun war es später Nachmittag, und sie kamen von einem etwas weiter entfernten Besuch wieder nach Hause. „Vielleicht sollten wir mal nach Michael sehen“, meinte die Mutter zu ihrem Mann. „Ist ja schon seltsam.“ Praktischerweise wohnte er in der gleichen Straße, nur schräg gegenüber, und die Eltern, die in unserem Haus Tür an Tür mit uns wohnten, hatten auch einen Schlüssel für des Sohnes Gehäuse.

Zur gleichen Zeit saßen meine Frau und ich in unserem Wohnzimmer vor der bildgebenden Elektronik. Unser TV- Programm wurde plötzlich von einem Klingelton meines Handys unterbrochen, den ich schon lange nicht mehr gehört hatte. Erstaunt blickte ich auf mein Gerät: „Oh… Ein ‚Mobile Retter‚- Einsatz!“ Seit über zwei Jahren schon war ich in dem System als Helfer registriert, der von der Leitstelle parallel zum Rettungsdienst alarmiert werden kann, wenn in der Nähe eine Reanimation erforderlich ist (Näheres siehe unten). Und nun der erste Alarm. Von „Überlastung“ konnte man da echt nicht reden.

Startoberfläche der App: zur Alarmierung bereit!

Ich blickte auf das Display: „Einsatzstellenentfernung: 80m. Übernehmen?“ Ich bestätigte und bekam die Adresse mitgeteilt: Das Haus schräg gegenüber! Und der Patientenname war mir auch bestens bekannt. Verdutzt sagte ich meiner Liebsten: „Das ist ja beim Sohn der Nachbarn!“ Ich sprang vom Sofa auf und lief auf Pantoffeln aus der Wohnung. Im Vorbeilaufen griff ich den Wohnungsschlüssel und meine Herrenhandtasche, in der immer ein in Folie eingeschweißtes Paar Handschuhe und eine Beatmungshilfe stecken, seit dem ich bei „Mobile Retter“ angemeldet bin. Über den Vorplatz gehuscht, die Straße überquert und in den Zuweg gegenüber gelaufen. Unterwegs zog ich mir schon die Handschuhe an. Vor der Haustür ein kurzer Blick auf die Klingelschilder: Ja, der Patientenname stand dort, die Wohnung war im zweiten Stock. Ich sprintete die Treppen hinauf. Die Wohnungstür stand offen, ungefragt ging ich sofort hinein: „Hallo? ‚Mobiler Retter‘! Wo muss ich denn hin?“ Aus dem hinten liegenden Wohnzimmer kam die Stimme meiner Nachbarin: „Hier, auf dem Balkon!“ Als ich an ihr vorbeilief, erkannte sie mich. In ihrem Gesicht las ich Angst, Panik, Hilflosigkeit. Auf dem Balkon stand ihr Mann, blickte mir ratlos entgegen: „Der Michael… ich glaube, der hat keinen Puls… Aber am Körper ist er noch warm. Vielleicht müssen wir ihn zusammen reinbringen…“

Auf dem Gartenstuhl vor ihm saß der Patient. Zusammengesunken, hellblau im Gesicht durch den Sauerstoffmangel. Er trug eine Winterjacke. Aus vergangenen Gesprächen mit den Eltern war mir in Erinnerung, dass er „irgendwas am Herzen“ hatte und die Gewohnheit hatte, sich zum Rauchen auf den Balkon zu setzen. Nun saß er dort, als wäre er eingeschlafen, die abgebrannte Kippe lag auf dem Boden. Ich sah sofort, dass eine Ansprache nach Lehrbuch wahrscheinlich unnütz war, griff ihm trotzdem kurz an die Schulter: „Hallo?“ rief ich laut. Nichts. Am Hals fühlte ich einige Sekunden nach dem Puls. Das Pochen unter der Fingerspitze blieb aus. „Wir müssen ihn auf den Boden legen und eine Herzdruckmassage starten“, bestimmte ich. In den Vater, der bei meinem Eintreffen sofort einen Schritt zur Seite gemacht hatte und nun hoffnungsvoll auf mein Urteil wartete, kam Bewegung. Wir zogen ihn vom Stuhl, legten ihn auf den Rücken und ich hängte ihm die Gummibänder der Beatmungsfolie über die Ohren. Rhythmisch drückte ich nun auf seinen Brustkorb, und nach 30 Kompressionen versuchte ich, den Mann durch das Ventil über dem Mund zu beatmen. Doch ich bekam keine Luft in seine Lungen: die Zähne waren fest zusammengepresst. Ich vermutete, dass die Kiefergelenke aufgrund des Kreislaufstillstandes bereits starr waren. Spätestens jetzt war klar, dass der Wiederbelebungsversuch höchstwahrscheinlich sinnlos war. Aber sollte ich als Ersthelfer das nun für diesen etwa 45jährigen Mann, der auch zwei Kinder hatte, entscheiden? Einfach aufhören, in der Hoffnung, dass der Notarzt, der noch nicht eingetroffen war, nicht zu einer anderen Einschätzung kommt? Immerhin war der Körper noch warm, obwohl der Mann bei etwa 6° auf dem Balkon gesessen hatte. Sein Vater bemerkte, dass ich Probleme hatte, Luft in den Brustkorb zu bekommen. „Wenn das mit der Folie nicht funktioniert, kann ich auch die direkte Beatmung übernehmen“, bot er an. Seine Schockstarre hatte sich gelöst. Kein Vater sollte seinen Sohn beatmen müssen, aber nun war es die beste Lösung.

Während ich also drückte und der Vater nach meinen Anweisungen seinen Atem in die Nase des Sohnes blies, stand die Mutter in der Balkontür und schaute wie betäubt zu. Sie wusste, dass ihr Sohn wahrscheinlich tot war, dass wenig Hoffnung bestand, und dass er – sollte er überhaupt wieder einen eigenständigen Kreislauf bekommen – nie wieder der alte sein würde. „Wenn es nicht klappt … vielleicht ist es dann besser so…“, sagte sie leise. Unter meinen Handballen merkte ich, wie ein oder zwei Rippen vom Brustbein abscherten.

Nach etwa drei bis vier Minuten (so genau ist das Zeitgefühl nicht in so einer Situation) trafen fast Zeitgleich der Rettungswagen und die Notärztin ein. „Patient auf dem Balkon sitzend leblos aufgefunden, unbekannte Dauer ohne Kreislauf. Reanimation seit etwa vier Minuten. Der Brustkorb ist noch warm, aber der Kiefer fest. Herzerkrankung bekannt“, übergab ich knapp an die Ärztin, ohne meine Arbeit zu unterbrechen. „Dann sollte wir ihn erst mal hier ins Wohnzimmer ziehen, da haben wir mehr Platz“, entschied sie. Mit dem Vater und den Kollegen des Rettungsdienstes zogen wir den Patienten quer ins Wohnzimmer, wo wir die Reanimationsversuche fortsetzten.

Im Wohnzimmer bereitete der Fahrer des Notarztfahrzeuges bereits die Utensilien für die weitere Versorgung vor. Als er kurz hochblickte, erkannte er mich: „Watt machst du denn hier? Verwandtschaft?“, fragte er verdutzt. „Ich bin bei ‚Mobile Retter‘ registriert, die Leitstelle schickt mich“, erklärte ich kurz. Die RTW- Besatzung von einer Hilfsorganisation und die Notärztin kannten mich zwar nicht, aber weil der NEF- Fahrer mich sofort so kollegial ansprach, wussten sie, dass ich ebenfalls „Fachpersonal“ war. Daher wurde ich von allen wie selbstverständlich mit in die Rettungsversuche eingebunden.

Während die Eltern von der Notärztin hinauskomplimentiert wurden und in der Küche warteten, zogen wir das festgelegte Programm durch. Dabei stellten wir fest, dass auch die Schultergelenke schon recht steif waren. Näheres zu Michaels Herzerkrankung konnten wir nicht erfahren, aber das war unter diesen zeitlichen Umständen im Grunde auch egal: Die Anzeichen, dass der vor uns am Boden liegende Mensch schon seit ein paar Stunden tot war, mehrten sich, je genauer wir ihn nebenbei untersuchten. Nach etwa 30 Minuten stellten wir die Versuche, den Mann zu retten, ein. In der ersten Aufräumphase wechselte ich mit dem Kollegen vom Arztmobil ein paar Worte und erzählte ihm, wieso ich überhaupt dort war. Selbst viele Kollegen kennen das Ersthelfer- System nicht. Eigentlich hätte ich ja ebenfalls Dienst gehabt, war aber aufgrund einer Sehnenreizung im Arm krank geschrieben. Nachdem der Notärztin dann ebenfalls von mir kurz das System „Mobile Retter“ erklärt wurde, das sie noch nicht kannte, zeigte sie sich angetan: „Das ist ja mal eine sinnvolle Idee!“, freute sie sich. Leider hatte es dem Patienten in diesem Fall nicht mehr geholfen.

Nachdem die Studierte den Eltern mitgeteilt hatte, dass wir leider nichts mehr tun konnten, ging ich zu ihnen in die Küche und versuchte, sie etwas aufzufangen. Immerhin hatten wir ein schon etwas persönlicheres Verhältnis: Sie kümmerten sich zum Beispiel ab und zu um unsere Katze, wenn wir mal eine einzelne Nacht nicht zu Hause waren, und wir hatten für Notfälle einen Satz Wohnungsschlüssel ausgetauscht. Als sie mit mir sprachen, wurden die Umstände noch klarer: Sie waren den ganzen Tag auswärts bei Freunden zu Besuch und hatten bemerkt, dass der Sohn im Messenger- Dienst seit morgens nicht mehr als „online aktiv“ angezeigt wurde. Aber womöglich hatten sie das Gefühl, dass ein Anruf bei dem erwachsenen Sohn vielleicht als „Kontrolle“ aufgefasst werden könnte. Sie ließen es daher. Als sie am späten Nachmittag nach Hause kamen, hielt die Mutter es aber nun doch nicht mehr aus, und wollte mit ihrem Mann „einfach mal kurz vorbeischauen“. Sie fanden ihn dann sitzend auf dem Balkon. Erstaunt hörte ich von ihnen, dass sie zunächst mich kontaktieren wollten, um um Rat zu fragen, leider hatten sie aber meine Telefonnummer gerade nicht parat. So eine Aussage über das entgegengebrachte Vertrauen in so einer Situation ehrt mich natürlich. Als sie erkannten, dass sie mich nicht anrufen konnten, wählten sie den Notruf. Und damit war ich dann doch „im Spiel“.

Nachdem ich mich also eine Weile mit den beiden Nachbarn unterhalten hatte, kam die routinemäßig informierte Polizei in Gestalt zweier Streifenbeamten, denen ich meine Personalien gab, bevor ich mich verabschiedete.

Etwa drei Stunden später, als ich wieder zu Hause war, rief noch eine Frau der Kripo an. Sie bearbeite gerade den ersten Bericht, und hätte noch ein paar Fragen zur Auffindesituation. Ich glaube, es war zunächst etwas verwirrend, meine Rolle einzuordnen: Ich war persönlich bekannt mit den Eltern, weil sie die Nachbarn sind, und persönlich bekannt mit dem Sohn, weil ich – neben dem, was ich durch die Eltern schon erfahren hatte – in der Vergangenheit bereits wegen eines Rettungsdienst- Einsatzes über die Feuerwehr bei ihm war. Außerdem hatte ich zwar gerade Dienstfrei, aber wurde als Mobiler Retter trotzdem von der Leitstelle alarmiert. Ach ja, und von der depressiven Phase, in der ein mit dem Verstorbenen bekannter Polizist einen Rettungswagen für ihn bestellt hatte, was die Kripo- Beamtin in ihren Recherchen zum Fall herausfand, wusste ich auch längst: „Ach, der Einsatz mit dem Ralf! Ja, also…“ Ich war an dem Tag nämlich nicht nur selbst mit dem RTW dort, sondern kannte auch den Polizisten. Ich hatte mal bei einer seiner privaten Feiern Dudelsack für seine Gäste gespielt. Es dauerte ein paar Sätze, bis wir das alles geklärt hatten …

Das System „Mobile Retter“…

… ist selbst vielen Kollegen nicht bekannt. Also: Wie entstand es und wofür ist es eigentlich gedacht?

Ein Arzt bekam zufällig mit, dass in der Nachbarschaft vom Rettungsdienst ein Patient mit Kreislaufstillstand versorgt wurde, während er zu Hause saß und sich anne Füße spielte. Der Gedanke, der ihm dann kam, wurde zum System: „Ich bin gut ausgebildet und sitze hier herum, während dem Nachbarn gerade das Gehirn wegstirbt, bis irgendwann mal der RTW dort ist. Was wäre, wenn ich darüber Bescheid bekäme, und schon mehrere Minuten helfen könnte, bevor der Rettungsdienst dort ist?“ Der Hintergrund: Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sterben sehr schnell die ersten Gehirnzellen aufgrund von Sauerstoffmangel ab. Mit jeder Minute, die verstreicht, ohne dass etwas getan wird, sinken die Chancen auf ein erfolgreiches Überleben dramatisch. So kommt es, dass überhaupt nur eine von 10 Reanimationen erfolgreich ist – und viele Patienten tragen trotzdem noch große und größte gesundheitliche Schäden davon.

So schnell in Deutschland der Rettungsdienst auch sein mag (im Schnitt ist der RTW innerhalb von 8 Minuten am Notfallort) – für jemanden ohne Kreislauf ist es immer noch viel zu lang. Wenn dann kein Angehöriger oder zufällig anwesender Ersthelfer schon vorher eingreift und zumindest einen Not- Kreislauf aufrecht erhält, ist die Murmel Matsche. Das System „Mobile Retter“ zielt nun darauf ab, Helfer in der Umgebung zu alarmieren, um dieses „therapiefreie Intervall“ zu verkürzen – und Überlebenschancen zu nutzen.

Hierfür können sich Menschen mit gewisser Notfall- Erfahrung (Rettungsdienst, Feuerwehr, Ärzte, Krankenpfleger usw), die in beteiligten Kreisen wohnen, bei der Organisation anmelden und werden dann in einer Datei im Leitstellenrechner des Rettungsdienstes bzw. der Feuerwehr registriert. Der Helfer installiert sich eine dazugehörige App auf sein Smartphone. Vorgesehen sind im Grunde ausschließlich Einsätze, bei denen es um eine Herzdruckmassage geht – denn das kann jeder Helfer mit minimalem Aufwand, grundlegendem Wissen und (fast) ohne Ausrüstung überall leisten.

Bekommt die Leitstelle der Feuerwehr / des Rettungsdienstes nun einen Notruf, bei dem von einer Reanimation ausgegangen werden muss, löst der Disponent mit einem Knopfdruck parallel zur Alarmierung des nächsten RTW das automatisch arbeitende Systemprogramm aus. Vollautomatisch werden im Hintergrund nun potentielle registrierte Ersthelfer in der nächsten Umgebung des Notfallortes über ihr Handy geortet und die ersten beiden Helfer über die App alarmiert. Nimmt ein Helfer den Einsatz an, bekommt er die Notfalladresse und die Leitstelle eine Nachricht, dass jemand gefunden wurde und unterwegs ist. Ausgenommen für den Einsatz von Mobilen Rettern sind Objekte, in denen qualifizierte Ersthelfer vor Ort sein sollten: Krankenhäuser, Arztpraxen, Altenheime und ähnliche.

Im Schnitt trifft ein mobiler Retter schon etwa 3-4 Minuten nach der Alarmierung ein und kann mit der Herzdruckmassage beginnen, bis dann der reguläre Rettungsdienst eintrifft. „Time is Brain“, wie man auch bei Schlaganfällen sagt. Insofern war mein Einsatz rein technisch gesehen ein Erfolg, auch wenn in diesem Fall das Leben nicht mehr gerettet werden konnte.

Das System läuft bis in die letzte Konsequenz freiwillig: Hat man als registrierter Helfer aus irgendwelchen Gründen keine Zeit oder keine Möglichkeit, einen Einsatz zu übernehmen (Krankheit, wichtiger Termin, Kinderbetreuung oder einfach nur Urlaub…), kann man sich in der App unkompliziert auf „pausieren“ und später wieder „in Bereitschaft“ setzen, ohne dass es irgendwelche Konsequenzen hätte.

Die Ersthelfer sollen für die Anmeldung einen gewissen Hintergrund und Notfallerfahrung haben, damit sichergestellt ist, dass auch in Streßsituationen qualifiziert reanimiert werden kann. Keine Frage: Es gibt viele Menschen, die sich gerne in einem solchen System registrieren lassen würden – aber können sie auch in einen echten Notfall pragmatisch eingreifen, wenn es um Leben und Tod geht? Es ist schließlich nicht für jeden zu ertragen, der irgendwann mal zum Führerschein „Sofortmaßnahmen am Unfallort“ gelernt hat, dass man in eine für die Beteiligten absolute Ausnahmesituation kommt: Die Anwesenden sind verzweifelt, schreien, weinen vielleicht. Vor dem Helfer liegt vielleicht der Mann, mit dem die Dame, die daneben steht, 50 Jahre verheiratet war. Oder ein Kind … Dann muss der Ersthelfer funktionieren. Auch, wenn man gegen Erbrochenes, Gerüche und Schmutz kämpft. Denn die Menschen, die bereits vor Ort sind, haben zwar auch in aller Regel irgendwann mal HLW gelernt – aber funktionieren eben aus verschiedenen Gründen trotzdem nicht. Nichts wäre dramatischer als ein Ersthelfer, der von den Eindrücken menschlichen Dramas dann doch überfordert ist.

Bisher kann ein Mobiler Retter nur in der Stadt alarmiert werden, für die er sich registriert hat. Es ist aber geplant, diese Helfer in jeder beteiligten Stadt alarmierbar zu machen, um zB in Ballungsgebieten Synergieeffekte zu nutzen. In einigen Regionen gibt es auch andere Ersthelfersysteme, bei denen Nachbarn zur Hilfe alarmiert werden können. Das Prinzip ist dabei ähnlich: Ortung per Smartphone, Alarmierung über die örtliche Leitstelle parallel zu RTW und Notarzt. Ziel: durch HLW möglichst schnell einen Not- Kreislauf herzustellen.

Wer sich näher informieren möchte, kann sich auf http://www.mobile-retter.org belesen. Vielleicht ist ja auch eure Stadt schon dabei?

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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16 Antworten zu Nachbarschaftshilfe mit „Mobile Retter“

  1. Jerowski schreibt:

    Sehr schöner Bericht und Aufklärung zum Thema, auch in den Kommentaren.
    Erst 1 Einsatz in 2 Jahren? Ich bin seit Jahren nur unregelmäßig in der „Heimat“, habe dort aber glaube ich inzwischen wohl zweistellig Mobile Retter Einsätze – und wundere mich immernoch jedes Mal über den Klingelton.
    Bei uns werden tatsächlich so lange Helfer alarmiert (ich würde nicht von Laien sprechen wollen, denn das sind sie entsprechend des Konzeptes eigentlich nicht), bis 3 zusagen (oder halt Keine mehr in der Nähe verfügbar sind). Klappt in der Regel super, meist trifft man angenehmerweise Kollegen, was für die Zusammenarbeit und auch das „Danach“ m.M.n. sehr hilfreich ist.
    In der nicht so großen Stadt (~30k) lohnt es sich je nachdem tatsächlich auch bei bis zu nem guten Kilometer Anfahrtsweg (falls man mobil ist), da arbeitet man dann in der Regel auch gut mit dem First Responder zusammen wenn er kommt (Ist irre, was bei uns an Fachpersonal kommt. Zwar sind nicht 50% der Fälle wirkliche Reas, aber gerade zusammen mit dem First Responder gab’s dann schon Übergaben an den RD intubiert & mit ROSC nach AED & Co.).
    In der größeren Stadt nahbei lohnt sich dagegen praktisch alles >2-3 Minuten „Anfahrt“ kaum, weil man dann i.d.R. gerade mal zeitgleich mit RTW und NEF eintrifft.
    Insgesamt bisher ein tolles und sinnvolles System.

    • firefox05c schreibt:

      Hier ist zum ersten die Alarmierungsschwelle bisher sehr restriktiv, um zu verhindern, dass die MR zu häufig zu nicht- Reanimationseinsätzen gerufen werden. Zum Zweiten ist der Suchradius des Systems bisher auf etwa 500m begrenzt, was aber aufgrund der festgestellten sehr schnellen Eintreffzeiten bei den übernommenen Einsätzen (unter 3 Minuten) bald etwas erweitert werden soll. Nun ja, und dann kommt eben auch noch der Zufall ins Spiel … 😉

      • Jerowski schreibt:

        Ah, das ist dann wirklich sehr konservativ. Wenn ich die 500m mal annehme, hätte ich wohl auch bisher nur 1-2 Anfragen gehabt.
        Die Alarmierungsschwellr ist bei uns eigentlich ähnlich restriktiv wie beschrieben (also eigentlich auch nur alles was tatsächlich unter Rea fällt, ich bin mir aber gerade nicht mehr sicher, ob’s automatisch im Einsatzvorschlag steht oder auch händisch nochmal abgesegnet werden muss), aber anscheinend kommt da dennoch einiges in der Notrufabfrage noch mit durch (besonders gewundert haben mich mehrere Alarme zu – unterschiedlichen – Menschen in heimischer, palliativer Versorgung samt Pflegekraft vor Ort, die auch keine Krieslaufstillstände waren)…
        Aber insgesamt: Tolles, nützliches System

  2. Ingo S. Anders schreibt:

    Respekt, dass Du das machst! Vielen Dank!
    Um den Mittvierziger tut es mir leid …

    Ich finde es gut, dass die technischen Möglichkeiten solcher Apps genutzt werden können, um solche Systeme auf die Beine zu stellen, die die noch freien Kräfte bündeln.
    Und ich finde auch wichtig und vertrauenserweckend, dass geprüft wird, wer da in solche Situationen geschickt wird. Sonst haben die Fachkräfte möglicherweise nachher mehr Patienten zu versorgen als gedacht.

    • firefox05c schreibt:

      Nun, das mit dem „persönlichen Opfer“ bei dem Engagement bei MR hält sich bei mir ja in Grenzen: Von „Überlastung durch Einsätze“ kann man in meiner Stadt nun mal nicht sprechen, da das System bisher sehr restriktiv durch die Leitstelle genutzt wird und der Alarmierungsradius (noch) sehr klein ist. Da passiert es nicht oft, dass gerade in der Nähe etwas passiert.
      Was die Psyche angeht, kann ich nur für mich sprechen: Bei mir sind Notfallsituationen (und auch der Tod) durch meine Tätigkeit bei Feuerwehr und Rettungsdienst ein Teil meiner Arbeit. Wenn an der Einsatzstelle keine „besonderen Umstände“ hinzukommen (wie Kinder, Gewalt oder sonstige Gefahren, schwere Verletzungen…), habe ich meinen Weg gefunden, in Frieden damit umzugehen.
      Andere Helfer haben aber womöglich „ganz andere Schuhe an“, was die Erfahrung angeht, und mögen bei einem Einsatz bzw. im Nachgang größere Opfer bringen. Falls es zu einer solchen Belastung und damit ein von dir angesprochenes „mehr an Patienten“ kommen sollte, gibt es im „Mobile-Retter-System“ ein Nachsorge- Angebot. Meines Wissens wird sogar schon telefonisch aktiv nachgefragt, wenn man im Einsatzprotokoll entsprechende „Fangfragen“ beantwortet.

  3. Stocki schreibt:

    Auch bei uns im Süden, Raum Freiburg haben wir so ein System, und zwar auch im ländlichen Raum. Hier sind die Radien für die Helfer größer gewählt, weil 2 km über Land eine andere Distanz sind als in der Stadt.
    Wir Nutzen FirstAED – Region der Lebensretter.

  4. Alex schreibt:

    Hm bin mir nicht sicher was ich davon halten soll. Einerseits ist Zeit in so einer Situation wie du schon schreibst Hirnmasse, andererseits stelen sich mir da auch Fragen zu Haftung und anderen Sachen. Von lassen die Leute dich rein, obwohl du dich mit nichts kenntlich machen kannst bis was passiert wenn es doch mal eine belastendere Sache ist. Wenn du von ner Leitatelle alarmiert wirst wirst du im Zweifel vor nem Gericht nämlich nicht mehr nur als Ersthelfer gesehen.

    • firefox05c schreibt:

      Du bewegst dich weder als gewöhnlicher ErsthelferIn, noch als „Mobiler Retter“ (MR) in einem ungeregelten Bereich.
      Zunächst ist nach §323c StGB jeder Bürger sogar verpflichtet, bei Kenntnis eines Notfalles im Rahmen seiner zumutbaren Möglichkeiten zu helfen. Dabei bist du laut Gesetz auch Unfallversichert. Hinzu kommen Gesetze über „rechtfertigenden Notfall“, Güterabwägung, Recht auf Unversehrtheit nach GG und anderes. Da ist das Recht schon mal auf deiner Seite.
      Als MR gerät man tatsächlich eher in die Rolle eines Garanten, allerdings aufgrund der sehr, sehr engen und klaren Abgrenzung seiner Aufgabe nur bedingt. Du solltest also schon wissen, dass der vorgesehene Druckpunkt mittig auf dem Brustkorb zu finden ist und die Luft in Mund oder Nase geblasen werden soll. Das war es aber auch schon. Ferner sollte man als MR von Intubationsversuchen, Medikamentenapplikartion oder Operationen aller Art absehen, da man sonst tatsächlich angreifbar wird. Kenne deine Grenzen. 😉
      Mein Vertrag mit der Stadt über den Einsatz als MR umfasst ganze 12 Seiten, auf denen genau festgelegt ist, in welchem Rahmen ich für welche Tätigkeiten eingesetzt werde, dass ich dabei über die Stadt Unfall- und Haftpflichtversichert bin, Datenschutzbestimmungen usw. Das ist mehr als ausreichend geklärt. Auch die Grenzen des Einsatzes und das Verlassen des Abkommens bei weitergehender Hilfe, die dann wieder im Rahmen der „Jedermanns- Nothilfe“ geschieht (z.B. anlegen von Verbänden o.ä.), ist genau definiert.
      Man bekommt über die App eine vorzeigbare Legitimation speziell für diesen Einsatz aufs Handy, falls der, der mir die Tür öffnet, keinen Zusammenhang zwischen seinem Anruf bei der Feuerwehr und meinem drei Minunten späteren Erscheinen mit der Kenntnis über Notfall und Patientennamen herstellen kann. 😉 Zudem sind Anrufer in höchster Not idR dankbar für JEDEN, der mit oder ohne Anforderung seine Hilfe anbietet. Das habe ich auch schon häufiger als „gewöhnlicher“ Ersthelfer bei Unfällen oder med. Notfällen auf der Straße erfahren. Vielleicht liegt das auch am entsprechend sicheren Auftreten, aber kongruent dazu las ich auch in den Erfahrungen anderer MR noch nie, dass jemand abgewiesen wurde. Was die „german Angst“ mit dem Gericht angeht: Ich kann mir keine Konstellation denken, in der jemand nach bestem Wissen und Gewissen reanimiert hat und anschließend dafür verurteilt wurde (wobei „Wissen“ auch die Grenzen der eigenen Kompetenzen einschließt!).
      Alleinige Aufgabe ist es als MR, zum Patienten zu kommen, ihn auf den Rücken zu legen, auf die Brust zu drücken und nach Möglichkeit mit einer Beatmungshilfe zu beatmen. Sonst nichts. Wird dem/der MR wirklich aus irgendeinem Grund der Zutritt zu einer Wohnung oder einem Betrieb verwehrt, werden wir zwar natürlich keine Gewalt anwenden, aber der Zutritts-Verweigerer muss sich umgekehrt womöglich dafür rechtfertigen – denn er macht sich unter Umständen selbst strafbar nach 323c Abs.2!
      „Verkehrt machen“ kann man eh nichts: Der, der dort liegt, ist schon tot. Schlimmer wird es nicht. Wenn ich ihm auf die Brust drücke und ein paar Rippen breche, ist das eben so. Das wird mit Sicherheit jeder Mediziner und auch jeder Richter bestätigen.
      Es ist bei MR auch nicht so, dass sich jeder X- Beliebige als Helfer registrieren lassen kann: Er muss eine Ausbildung im Bereich medizinischer Tätigkeiten mitbringen (Pfleger, Feuerwehr, Arzt …), und der Bewerber bekommt eine Schulung, in der er aufgeklärt wird und zeigen muss, dass er die einfache HLW auch technisch beherrscht.
      Durch die geforderte Tätigkeit im medizinischen Bereich soll sichergestellt werden, dass der Helfer schon eine gewisse Erfahrung mit seinem eigenen „psychischen Notfallmanagement“ hat und nicht plötzlich selbst von Panik erfasst wird, denn alleine durch die mentale Vorbereitung ist es schon etwas völlig anderes, zB. einen Altenpfleger zu einer Rea zu schicken, als wenn „Tante Lischen“ aus ihrem Alltag in so eine Situation geworfen wird.
      Sollte der/die HelferIn durch einen Einsatz eine psychische Belastung erfahren, steht auch ein System zur Bewältigung bereit. Denn auch der Helfer wird nicht alleine gelassen! Angaben im später erstellten App- Einsatzprotokoll (dort wird explizit u.a. nach dem eigenen Empfinden gefragt), telefonische Nachfragen und bei Bedarf Beratung zu weiteren Maßnahmen sind installiert und werden praktiziert.
      Das alles und noch mehr steht aber auch auf den Seiten von „mobile-retter.org“.
      Allgemein hat jemand, der nach bestem Wissen und Gewissen hilft, weniger zu befürchten, als jemand, der einfach nichts tut, weil er sich mit „rechtlichen Bedenken“ rausreden will. Das kann man immer wieder nachlesen, wenn irgendwelche Fälle von Helfern und Nicht- Helfern tatsächlich mal vor Gericht landen. Für den Patienten geht es nämlich dabei um das allerhöchste Gut nach GG Art.2, dem sich fast alle anderen Gesetze unterordnen müssen: Das Leben. Und das hat er wahrscheinlich schon nicht mehr, wenn ein Mobiler Retter alarmiert wird. Dann geht es nur noch darum, dass er es vielleicht zurückbekommt.

      • Alex schreibt:

        Ich dachte halt hier geht es nur mal wieder um irgend so eine App, die gut gemeint aber nicht durchdacht ist. Ich hatte mich nur auf deinen Blogpost bezogen und nicht weiter recherchiert und mich halt gewundert. Rechtliche Bedenken gibt es immer, sonst gäbe es nicht so viele Richter und Anwälte. Außerdem verbitte ich mir Unterstellungen wie das ich mich hinter sowas verstecken würde 20+ Jahre als freiwilliger Helfer in einer der großen deutschen Organisationen die nicht Feuerwehr sind sprechen da eine andere Sprache, allerdings weiß ich bei Einsätzen da aber von Anfang an auf was ich mich Einlasse und wie ich abgesichert bin in den verschiedensten Situationen.

        Ich habe nur spontan geäußert das ich mir halt nicht sicher bin was ich von so einer App halten soll, die Bedenke die ich geäußert habe sind Sachen die man sich überlegen sollte bevor man zu etwas ja sagt, aber man sollte halt auch mehr recherchieren und nicht nur auf das spontane hören, es aber auch nicht vergessen.
        Jemand der deinen Blog liest könnte halt denken cool muss mir nur die App holen und dann kann ich auf Einsatz, was du jetzt klargestellt hast und nicht der Fall ist.

  5. Benjamin schreibt:

    Berlin nutzt hier mit Katretter ein ähnliches System. Hier registrieren und alarmieren sie auch Laien. Bei mir kam das bisher 4-5 mal in einem Jahr vor. Ich kann es nicht genau sagen, weil ich einige Male einen Alarm in Abwesenheit angezeigt bekam und mich auch 1-2 mal nicht getraut habe auf „annehmen“ zu drücken, bevor der Alarm automatisch an die nächste Person weitergereicht wird (30 sek. hat man glaub ich). Die Schwelle ja zu sagen ist bei den ersten Malen „REANIMATIONSALARM“ auf dem Display schon echt hoch. Üblicherweise werden da wohl auch 2 Leute alarmiert – Luxus einer Großstadt.

    Die beiden Male wo ich bisher annahm war es einmal ein gestürzter Betrunkener und einmal ein Schlaganfall bei Bewusstsein aber mit verlorener Sprache. Beides wohl Fälle, wo die Leitstelle wohl wg. Sprachhürden der Anrufenden oder unklarer Situation sicherheitshalber das Knöpfchen gedrückt hat. Ne Reanimation hatte ich damit zum Glück bisher nicht.

    Tatsächlich war ich beide male vor den Einsatzkräften da, obwohl ich 1,6 km von der Feuerwache und ca 600m von den Einsatzstellen entfernt wohne.

    Nach dem Einsatz wird man dann von der App noch gefragt, ob man vor der FW eingetroffen ist, ob man helfen konnte und ob man den Einsatz psychisch belastend fand. Ich tippe, wenn man Ja drückt kommt dann auch eine entsprechende Betreuung im Nachgang, aber wer weiß das schon.

    Seit Beginn von Corona haben Sie das System allerdings zum Schutz der Helfenden nicht mehr genutzt.

    Ich fand es tatsächlich irritierend, dass die RTW/NEF-Besatzung nicht mitgeteilt bekommt, dass da ein Ersthelfer mitalarmiert wird. Wenn die Notärztin frag wer man sei, man sagt „Ihre App hat mich hier her geschickt“ und man nur große Fragezeichen erntet ist man doch etwas verwundert.

    Es fühlt sich schon komisch genug an, vorher in Zivilkleidung in die offen stehende Tür einer Privatwohnung zu latschen – man hat ja keine Funktion und keine Credibility und die wissen auch nicht, dass da noch nen Laie alamiert wurde. Die App zeigt einem zwar in der Situation ne Art Ausweis, aber die Situation war bisher nicht so, dass ich danach gefragt wurde. Ich hab mich dann mit „XY mein Name – die Berliner Feuerwehr schickt mich als Ersthelfer“ den Patienten ggü. vorgestellt. Die Folge war, dass die Türkische ältere Gattin nur „Feuerwehr“ hörte, dachte ich sei Notarzt, mir ungefragt die halbe Krankengeschichte erzählte. Meine Sorge war danach, dass sie das den Notärzten verschweigt, weil sie es ja schon „den Kollegen erzählt hat“. Ich werd es nicht erfahren.

    Fazit: Mir erscheint es sinnvoll, ich würde nach den ersten zwei mal „Ja“ auch die nächsten Male mit deutlich weniger Bammel entschiedener wieder annehmen.

    • firefox05c schreibt:

      Wenn hier zusammen mit dem Rettungsdienst sofort das System ausgelöst wird, steht auf dem Alarmschreiben für die Kollegen statt dem Einsatzstichwort „NOT 1“ ein „NOT 1- M“. Wie genau einige Kollegen darauf achten und damit auch etwas anfangen können, vermag ich nicht zu sagen.
      Da der Leitstellendisponent hier angezeigt bekommt, wenn einer der (noch recht wenigen) Helfer den Einsatz angenommen hat, kommt es auch vor, dass die Fahrzeugbesatzungen über Funk davon informiert werden. Bei „Mobile Retter“ wird auch angestrebt, 2 Helfer zu alarmieren. Da wir hier aber noch verhältnismäßig wenige registrierte Helfer sind, klappt das eben nicht immer. Der Radius, in dem ein Helfer gesucht wird, ist auch noch ziemlich eng begrenzt, soll aber aufgrund der guten Eintreffzeiten vergrößert werden.
      Eine Nachsorge bei Bedarf ist hier auch vorgesehen, man wird u.a. nach einem Einsatz in dem (freiwillig) auszufüllenden Protokoll nach der persönlich empfundenen Belastung gefragt.
      Zu Beginn der Pandemie wurde die Alarmierung hier auch zunächst ausgesetzt, im letzten Sommer aber mit entsprechenden Hinweisen wieder aufgenommen.
      Ich habe natürlich den Vorteil, dass ich durch meine Rettungsdienst- Tätigkeit in einer fast gewohnten Situation bin und entsprechend selbstsicher auftrete, wenn ich in eine fremde Wohnung gehe. In den Erfahrungsberichten in sozialen Netzen stellt man aber immer wieder fest: Wenn wirklich die „Kacke am dampfen“ ist, fragt niemand, WER denn da zum helfen kommt. Und was den Bammel vor der Situation angeht: Bei kaum einem Notfall hängt so viel vom sofortigen Handeln ab, aber kaum ein Notfall ist auch so einfach abzuarbeiten wie eine Standard- Reanimation durch einen Ersthelfer. Da ist der beste Weg nämlich wie eine Theaterchoreografie vorgegeben und lässt sich bis zum Erbrechen üben, um Sicherheit zu bekommen. 😉

  6. Goetz schreibt:

    Sehr gut!

    Wie haben das hier[TM] unter dem Namen „GoodSam“. Da kann man sich anmelden wenn man in HLW ausgebildet ist. Man sieht auch auf einer Karte wer „online“ ist und was der Hintergrund ist (Küstenwache, Seenotretter, First Responder, St John, Red Cross, Rettungsdienst, Pfleger im NHS .. endlose Liste). Der Alarmierungsradius ist etwa 1 – 1,5 Meilen. Wer hat ruft mal kurz auf der LS an um genaueres zu bekommen, der Rest geht eben so los.
    Und es hilft: „Ausbeute“ aus 3 Alamierungen bisher:
    1 x Exitus (War schon „steif“ – Der Paramedic schaute auch etwas „angepisst“ aus)
    1 x Schon vor Ort bei HLW als der Alarm auflief
    1 x Überlebt. Den Patienten sehe ich ein paar mal pro Woche am Haus vorbeigehen – eben auch per Fahrrad.

    Selbst wenn man kein Kit dabei hat, Kompressionen gehen immer und wenn man auch nur den Rapid Responder Paramedic unterstuetzt (Kompressionen während er Zugang legt, IGel einlegt etc).
    Die Richtlinien wollen hier mindestens 8 Hände vor Ort haben. Bei zu viel Personal nimmt man sich eben der Angehörigen an oder transferiert Material. Zu tun gibt es immer was.

  7. HaJo schreibt:

    In Lübeck gab es von 2017 bis 2020 ein Pilotprojekt „Meine Stadt rettet“ https://www.uksh.de/Das+UKSH/Presse/Presseinformationen/2017/%E2%80%9EMeine+Stadt+rettet%E2%80%9C_App+alarmiert+bei+Herzstillstand+freiwillige+Ersthelfer+und+leitet+sie+zum+Einsatzort_+Infostand+bei+den+Notfalltagen+in+L%C3%BCbeck+am+13_5_2017-p-62149.html

    Aktuell ist „SAVING LIFE“ beheimatet beim ASB-Schleswig-Holstein https://www.asb-sh.de/savinglife
    Dort sollen alle Rettungsleitstellen im Land aufgeschaltet werden. Aktuell angeschlossen sind derzeit vier Leitstellen, zwei weitere in der Vorbereitung.

  8. Thomas Kuhn schreibt:

    Tolle Idee von Doc. Stopp, leider in meiner Ecke noch nicht aktiv. Super, dass Du dafür Werbung machst, selbst wenn Du im konkreten Fall auch nicht mehr helfen konntest.

    • firefox05c schreibt:

      Ich hoffe nur, dass in der Helfer- Vorbereitung flächendeckend deutlich genug darauf hingewiesen wird,dass die Outcome- Quote nur zwischen 1:5 (ideal, mit Ersthelfer) bis 1:10 (nur öffentl. Rettungsdienst) ist. Sollte sich jemand, der nicht im Rettungsdienst tätig ist, naiver Weise vorstellen, dass er im Einsatz grundsätzlich Erfolg haben wird, kann das schnell zum Frust und zur Abkehr führen – wenn nicht sogar zu Probelemen im Selbstbild.

      • Thomas Kuhn schreibt:

        Da hast Du recht völlig Recht. Erwartungsmanagement ist auch Motivationsmanagement. Mangels eigener Erfahrung kann ich nicht dazu sagen, Dein Kommentar klingt eher so, als empfindest Du es für die Breite der möglichen Hilfskräfte nicht klar genug kommuniziert.

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