Test: Notbeleuchtung für die Straße

Der Sommer ist vorbei: Jemand hat die Erdachse angeschubst, und nun wird es abends wieder früher dunkel. Eine gute Gelegenheit, etwas über Warnblitzleuchten fürs Auto zu schreiben! Ich bin nämlich ganz verliebt in diese Dinger.

Ich habe mir zur zusätzlichen Absicherung (neben dem vorgeschriebenen Warndreieck natürlich) einige dieser gummibewehrten LED- Nester mit drölfzig Funktionen beschafft. Und zwar gleich vier Stück. Kauft man sie „im Fachhandel“, kann eine einzelne Leuchte gut und gerne für über 20 Euronen über den Tisch gehen. Im Supermarkt tauchen solche Diskusscheiben aber schon mal als Aktionsware auf und kosten dann um die fünf bis sieben Euro.

Es gibt Modelle mit 8, 12 oder 16 LEDs, aber beim Kauf sollte man bedenken: Die LEDs strahlen in der Regel punktförmig ab. Je weniger LEDs, desto größer also der „tote Winkel“ zwischen den einzelnen Lichtstrahlen, der auf 20 Meter schon eine ganze Fahrzeugbreite haben kann. Und ich möchte mich im Falle eines Falles nicht mit dem Ausrichten der Abstrahlrichtung aufhalten.

Ein Tipp: Eines der günstigsten Modelle, die bei den einschlägigen Portalen immer wieder auftauchen, hat 12 Warn- LEDs und an der Oberseite eine längliche Taschenlampe, sowie auf der Rückseite einen Klapphaken. Von diesem Modell habe ich aber gelesen, dass es häufig nur zwei Betriebszustände hat: Originalverpackt oder in der Tonne. Ich habe daher trotz des günstigen Preises vom Kauf abgesehen und bestellte stattdessen vier von den etwas besseren Knubbeln mit 16 LEDs direkt vom asiatischen Großhändler, da ich nicht darauf warten wollte, bis sie hier vielleicht wieder irgendwo auftauchen – und dann im Discounter womöglich nur die oben erwähnten, weniger guten Dinger im Regal liegen.

Deckel mit Dichtung und Pass-Nupsies.

Kauft man die günstigen Angebote dieser 16-fach bestückten „Flare Lights“, wie sie oft betitelt werden, sind häufig keine Batterien enthalten. Benötigt werden aber auch keine speziellen Kraftwerke, sondern die Feld-, Wald- und Wiesen- Energiestäbchen, die man überall bekommt. Zum Herbst tausche ich die Batterien immer vorsorglich aus, damit ich mir sicher bin, mich auf die Scheiben verlassen zu können. Dazu muss man auf der Rückseite allerdings erst zwei Schrauben lösen, was für den durchschnittlich begabten Beamten im mittleren Dienst aber kein Hindernis darstellen sollte.

Springt hoch. Leuchtet trotzdem.

Was mich an den blitzdingsenden Gummischeiben so begeistert: Sie sind klein und passen ins Handschuh- oder Werkzeugfach. Befindet sich eine Metallfläche im Kofferraum, zum Beispiel eine unverkleidete Rückbanklehne, kann man sie mit dem eingebauten Magneten auch dort anheften. Wenn ich die Warnlampen irgendwann brauche, schalte ich sie ein, und sie strahlen und blitzen in alle Richtungen, so dass ich sie einfach auf die Straße werfen kann.

Ich hatte sogar etwas Seife ins Wasser gegeben, um die Oberflächenspannung zu brechen!

Man muss nicht erst irgendwelche Füßchen ausklappen oder Ständer anbauen und schauen, wie das Ding auf der Straße stehen bleibt, denn „werfen“ ist hier im wörtlichen Sinn zu verstehen: Sie sind äußerst robust! Ich habe es ausprobiert: Die Kellertreppe runterwerfen, ins Wasser schmeißen, und sogar mit dem PKW drüber fahren ist kein Problem. Ich bin auch einmal nur mit halbem Reifen über die Lampe gefahren, um eine besonders ungleichmäßige Belastung aufzubringen: Die Leuchte hat es überlebt.

Härtetest: Bestanden.

Bei einer Panne oder einem Unfall ist man damit gut aufgestellt: Eine davon unter das Warndreieck gelegt ist schon ein Hingucker. Mit den nächsten zwei oder drei Leuchtgummis drückt man den Verkehr ums eigene Vehikel oder die Unfallstelle herum. Aber auch ohne Panne: Lasse ich im Dunkeln den Kofferraum geöffnet, weil ich zum Ausräumen der Pisselünten mehrfach laufen muss, warnt eine mittels Magnet auf die Klappe gesetzte Leuchte vor der abstehenden Kante, und ist zudem auch noch erhöht, also weit sichtbar.

Einziger Schaden: Ein paar Dellen vom Pflaster in der Magnetabdeckung

So fährt mir der späte Amazon- Bote nicht die Klappe ab. Eine im Umfang eingegossene Öse ermöglicht es auch, den Knubbel an herausragende Ladung zu bimmeln. Und beim Umzug lässt sich die Tür des Miet- Transporters damit absichern.

Tagsüber kann man die Dinger natürlich vergessen: Das einzige, was bei Sonneneinstrahlung noch warnt, ist das bunte Gehäuse. Für einen wirklich auffälligen Warneffekt sind die LEDs einfach zu klein. Aber ich habe die „No-Name-Blitzer“ auch mit den teuren Markengeräten verglichen, die  hier für einige Feuerwehrfahrzeuge offiziell beschafft wurden: Sie sind genauso hell – und bei Dämmerung und Dunkelheit einfach klasse. Insbesondere die Robustheit ist ein dickes Plus: Regen, Dreck, Sturm, Kälte … egal. Einschalten, hinwerfen, warnt.

3 Flares in etwa 45m Entfernung

Eigentlich sind in Deutschland für solche Zwecke nur orange bzw. gelbe Leuchten vorgesehen. Meine sind aber rot. Also mehr so dunkelgelb … (Ist das schon Rebellion, oder einfach nur Trotz?) Vorgeschrieben zur Absicherung nach StVO ist übrigens, falls man irgendwo anhalten muss, weil Opa jetzt unaufschiebbar aus der Hose muss oder tatsächlich ein Unfall passiert ist, lediglich „mindestens 1 auffälliges, warnendes Zeichen“, gefolgt von dem Hinweis, dass (auch) das gesetzlich mitzuführende Warndreieck zu verwenden ist. Von „ausschließlich“ steht dort nichts. Über zusätzliche Mittel kotzt sich die Vorschrift nicht weiter aus. Da in Deutschland erlaubt ist, was nicht ausdrücklich anders geregelt oder verboten ist, heißt das: Warnleuchten über das gesetzliche Maß hinaus dürfen benutzt werden. Irgendwo hatte ich mal als einzige Einschränkung gelesen (Ich glaube, es war auf den Seiten der RSA), dass die verwendeten Signale lediglich nicht missverständlich sein dürfen. Also, auch wenn es juckt: Blaue Flares, Pfeilleuchten zur Verkehrslenkung oder grüne Blitzer könnten Ärger geben. Gelbe Blinkleuchten, die nicht synchronisiert sind (also kein Lauflicht ergeben), aber auch rote, werden neidisch akzeptiert. Wie ich erwähnte, haben wir diese Blitzkringel sogar auf manchen Fahrzeugen der Feuerwehr. In der vorhergehenden Geschichte über den Verkehrsunfall war ich jedenfalls froh, auch privat welche zu besitzen und dort schnell und unkompliziert einen „Sicherheitsbereich“ kennzeichnen zu können.

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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16 Antworten zu Test: Notbeleuchtung für die Straße

  1. Wuffduff schreibt:

    Wenn ich den Verkehr um eine Gefahrenstelle leiten will (z.B. unbeleuchtetes Fahrzeug auf der Straße), würde ich die Leuchten nach Möglichkeit schon als Lauflicht anordnen, weil ich das Signal dann für eindeutiger halte.

    • firefox05c schreibt:

      In NRW und vielen anderen Bundesländern darf nur die Polizei den Verkehr leiten und regeln, Feuerwehr usw. dürfen nur sperren. Und dann kommen die Juristen ins Spiel, so hahnebüchen es klingt: Ein Lauflicht kann „leiten“ bedeuten. Blitzen die Lampen asynchron, stellen sie lediglich ein Absperren eines Bereiches dar. Bescheuert, gell?
      Zum Beispiel werden hier die Blitzlichter hinten an Feuerwehrfahrzeugen meist nicht genehmigt, wenn sie eine Richtung angeben; sie müssen ohne Laufrichtung blinken.Hier durfte es nicht einmal möglich sein, die Heckblitzer während der Fahrt einzuschalten, sondern es war nur für das stehende Fahrzeug genehmigt. Dabei währe es z.B. auf Autobahnen höchst sinnvoll, sie schon bei Annäherung an eine Einsatzstelle einschalten zu können! Die Regelungen klingen doof, ich finde sie doof, aber es wird so ausgelegt. In Bayern wiederum ist das kein Problem.Die dürfen dort regeln und leiten.
      So etwas weiß ein „normaler Mensch“ natürlich nicht, darum versuche ich immer auch, auf solche Fallen hinzuweisen. Ich meine immer: Wenn man schon Mist baut, sollte man wenigstens wissen, wo. 😉

  2. Jerowski schreibt:

    Batterien wechseln – guter Hinweis! xD
    Und dann vielleicht auch gleich mal den Waschbecken Test machen, ich hab keine Ahnung mehr wie viele LEDs mein Schätzchen eigentlich hat… Das liegt schon so lange im Kofferraum…
    Danke für Hinweis und Ideen, vielleicht gibt’s ja doch nochmal 2 Stück dazu…

    • firefox05c schreibt:

      Um herauszufinden, wie viele LEDs deine Lampe hat, musst du sie nicht zwingend versenken.
      Sieht natürlich trotzdem cool aus… 😉

      • Jerowski schreibt:

        Eben =) Und das Wasser hätte ich auch tatsächlich weggelassen (hab’s auf dem Foto nichtmal wahrgenommen). Aber in der Form sieht’s einfach wirklich schick aus und zeigt die Abdeckung gut.

  3. Finde die super! Zwei davon liegen immer griffbereit im Auto! In der Hoffnung sie (bitte bitte bitte) niemals benützen zu müssen…

    • firefox05c schreibt:

      Wenn man sie auch im Alltag benutzt, wo es sinnvoll ist, denkt man im Unglücksfall auch eher daran. Was spricht dagegen, sie zB. beim Beladen des Autos am Straßenrand zu benutzen? 😉 Ich habe eine der Leuchten mit eingeschaltetem Dauerlicht auch mal als „Parklicht“ an die Tür geheftet, wenn ich meine Frau im Dunkeln irgendwo abgeholt habe und im Auto warten musste.

      • Ich sehe schon, es gibt viele kreative Möglichkeiten um die Leuchten sinnvoll einzusetzen! Das mit dem Parklicht werde ich mir auf alle Fälle merken.

      • firefox05c schreibt:

        Brauchst du eigentlich nur bei einer schwachen Batterie. Eine „gesunde“ hält das Parklicht locker ein, zwei Stündchen aus. Meine Batterie war aber schon im letzten Winter recht schwach, da wollte ich kein Risiko eingehen. 😉 (Ich habe nun auch eine neue…)

  4. ImNOTFALLsani schreibt:

    Nabend.
    Zu allererst: ich liebe deinen Schreibstil und Humor. Was habe ich schon ungläubige Blicke von meinen Mitmenschen geerntet, wenn ich plötzlich laut prustend losgelacht habe.
    Kann schonmal irritieren 🙂

    Ich selbst habe auch einen Satz dieser Leuchten in meinem PKW, und auch schon mehrmals einsetzen müssen.
    Auch wenn man sie am Tag nicht so gut sieht, man „spürt“ sie aber wenn man drüberfährt… da wird auch der Unaufmerksamste wach.
    In meinem „Trachtenverein“ haben wir in der Einsatzleiter/ GF-Weste zwei dieser Leuchten in gelb und grün verlastet.
    Ich hatte die Idee, als ich bei einer Übung in einem unübersichtlichen Objekt dem Trupp erklären musste wo er mit der Leiter hin soll.
    Beim Erkunden werfe ich die Leuchten an den entsprechenden Punkten ab und hab’s bei meinem Befehl etwas leichter.
    Beispielsweise kann ich sagen: „Anleiterbereitschaft Höhe gelber Kennleuchte, Fenster 2.OG.“ anstatt drölfzigstes Fenster von links im 2. OG, oder man kann in einer Straße in geschlossener Bauweise den Angriffsweg markieren und und und…
    Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt was man damit markieren kann….solange man es nicht übertreibt und die gesamte Einsatzstelle zupflastert 😉

    Viele Grüße

    • firefox05c schreibt:

      Hier gibt es eine Zugwache, in der der Drehleiter- GF den vorgesehenen Drehturm- Mittelpunkt vor einem Objekt mit diesen Flares markiert, damit der Maschinist das Fahrzeug richtig positionieren kann.

      • ImNOTFALLsani schreibt:

        Gehört dieses Vorgehen nicht mittlerweile zum Standard?
        Drehleiter-Info und unsere Drehleiter-Ausbilder lehren es zumindest so.
        Unterm Strich nutze ich die Flares im Einsatz nicht nur zu ihrem eigentlichen Zweck.
        Wie das eben so ist bei der Feuerwehr…Dinge auch mal zweckentfrenden, sprich: Improvisation 😉

      • firefox05c schreibt:

        Nun ja, nur, weil Drehleiter.info das so schult, ist es ja nicht automatisch bundesweiter Standard… 😉

  5. WPR_bei_WBS schreibt:

    Ich kann die Dinger auch nur empfehlen. Habe Sie nun seit ca. sechs Jahren im Auto (mittlerweile auch in der zweiten Generation – nicht weil die erste nicht mehr ginge, sondern weil sie so gut aussahen :-)).

    Mein Impuls kam von einer nächtlichen Panne: Dort merkt ich dann, dass so ein Warndreieck jetzt nicht wirklich auffällig ist, und habe es dann (sicher auf dem Erdwall hinter der Leitplanke stehend) mit der guten Maglite angeleuchtet – am 25.12. bei arschkaltem Wind kein Spaß.

    Von meiner erhöhten und ca. 400m vom Auto entfernten Position ist mir dann erst aufgefallen, dass man die (und nur die) Warnblinker zwar sehen kann… Mangels Konturen aber eine Abschätzung von Entfernung und Lage recht schwer fällt (und ich war in dem Moment nur mit 0 km/h unterwegs, nicht wie der Rest auf der A1 mit 160).

    Mein weiterer Gedanke war: Gut, dass ich noch „Batterie habe“ – aber wie lange hält die noch bzw. was wäre wenn nicht?

    Die Entscheidung war daher klar, es muss was zusätzliches her, dass auch (anders als die reizenden Magnetleuchten fürs Dach mit Zigarettenanzünder-Anschluß) unabhängig vom Bordnetz ist. Meine Idee waren zwei Nissen- / Baustellenleuchten, eine im Fall der Fälle ans Auto, eins ans Warndreieck.

    Doch dann sah ich diese „Powerflares“ , und habe jetzt als gute Menge vier Stück im Auto. Zwei griffbereit im Innenraum: eine im Handschuhfach und eine mit Magnet unterm Sitz. Hat den Vorteil, dass ich schon vor Verlassen des Fahrzeugs (z. B. unbeleuchtet auf der Autobahn) gleich mal eine aufs Dach pappen kann. Die zweite dann vielleicht für die andere Seite, odrr den Kofferraum (falls mir einer hinten reingefahren ist). Die zwei anderen „magneten“ innen am Kofferraumdeckel. Eine auf den Kofferraumdeckel aussen (zur besseren Umriss- / Abstandserkennung). Die andere eingeschaltet (Eigensicherung!) mit dem Warndreieck vor mir hertragen, letzteres aufstellen und die Leuchte dann davor oder darunter. Und dann je nach Verteilung noch zwei für auf die Strasse o ä.

    Einsetzen musste /konnte ich sie bis jetzt einmal – Motorplatzer auf der Autobahn, ich konnte noch in die naechste Ausfahrt rollen und dort auf der schraffierten Fläche zwischen links- und rechtsabbiegerspur (T-Kreuzung) unter der Ampel parken. Warndreieck mit Leuchte auf den Kofferraum (plus Warnblinkanlage) war kein grosses Ding. Aber die Kreuzung war gleich hinter bzw. in der Ausfahrtskurve! Also zwei Leuchten geschnappt und in der Kurve an die Leitplanke gepappt. Drauf gefahren ist mir zumindest keiner 🙂

  6. DAIQR schreibt:

    Danke für den Test und Deine Mühe. War echt gut und ich weiß nun besser Bescheid!

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