Magnetfischen, die Zweite: Tipps und Tricks

Ich schrub vor einigen hundert Stunden, dass ich ein neues Hobby entdeckt hatte: Magnetfischen. Seither fliegt regelmäßig ein Klopper von Magnet von mir weg und landet im Idealfall klatschend im Wasser. Nachdem sich der ersten Magnete recht schnell, nämlich gleich am ersten Tag, unter Wasser verhakt hatte (im Hochsommer mal sehen, ob er bei niedrigem Wasserstand und günstigeren Temperaturen zu bergen ist), besorgte ich mir einen zweiten. Und mit diesem hatte ich nun etwas länger Spaß: Vom Hersteller war eine Zugkraft von 2x 175 kg angegeben (doppelseitiger Magnet), und ich denke, dass er auch nicht viel weniger zu bieten hatte. Ich zog Sachen an Land, die mich ordentlich ins Schwitzen brachten!

So hob ich beispielsweise mehrere Fahrräder unterschiedlichen Erhaltungsgrades aus dem Wasser, ein Bauzaunelement (3,5x 2m), Kleingeld, verrostete Geldcassetten, meinen ersten Einkaufswagen, Kickboards und sogar einen abgewrackten Motorroller! Auch etwas Modeschmuck war dabei.

Wurfmesser

Dann das Unglück: Ich warf ihn etwa 8 Meter unterhalb eines Stauwehres ins Wasser, er versank – und blieb bombenfest genau dort, wo er landete. Schon wieder! Dieses mal an einem anderen Stauwehr! In diesem Fall konnte ich sogar um den Auslauf des Wehres herum laufen und an einer großen Hinweistafel auch einen Behelfs- Flaschenzug (sog. „Express- Flaschenzug“ aus dem Kletterbereich, s.u.) aufbauen: Keine Chance. Ich war mit meinem Schwager unterwegs, aber selbst zu Zweit schafften wir die Befreiung nicht. Das Ding saß fest! Mist. Für gewöhnlich bekommt man einen Magneten wieder frei, indem man aus möglichst verschiedenen Richtungen zieht, auch mal mit einem Ruck. Aber hier … Auch dieses Seil musste ich weinend und schluchzend kappen. Naja, der nächste Sommer kommt.

Spielen mit dem Bulldog… 😉

Also musste ein dritter Magnet her. Meine Frau gab mir die Erlaubnis, dieses mal sogar einen Markenklotz zu kaufen, der nicht nur wie die beiden Vorgänger 35€, sondern gleich 70 Flocken kostete – allerdings unter der Bedingung, nicht wieder in der Nähe eines Wehres damit zu spielen. Ich entschied mich für den „Bulldog 400“ von Magnetar. Der soll von jeder Seite eine Zugkraft von 220kg haben. Als das Paket mein Haus betrat, musste ich feststellen: Der Unterschied zum alten Magneten war erfreulicherweise deutlich spürbar. Der Bulldog biss am Gullideckel vor der Tür wesentlich aggressiver zu als der alte. Seither ziehe ich mit diesem Klopper auf den Treidelpfaden des Kanals entlang und konnte schöne Erfolge bei der Gewässerreinigung erzielen. Bisherige Highlights: Zwei Möbeltresore, ein Wurfmesser und ein kleiner Revolver von der vorletzten Jahrhundertwende. Korrekterweise habe ich ihn nicht behalten, so dass ich nach dem Reinigen (man ist ja neugierig) frierend vor der Polizeiwache stand und einer staunenden Beamtin das gute Stück übergab. Aber mir bleiben zum Beweis ja die Fotos (unten) und die Spendenquittung, in der ich sogar als „Eigentümer“ bezeichnet werde … 😉

Zum eigentlichen Thema: Ich schrub im Titel etwas von „Tipps und Tricks“. Diese möchte ich für interessierte Anfänger nun hier wiedergeben, damit neue Magnetschleuderer nicht erst alles mühsam selbst recherchieren müssen. Dabei ist natürlich alles meine subjektive Meinung- nur, falls sich jemand ärgert, weil er anderer Ansicht ist.

Tipps zum Magnetfischen

1. Welchen Magneten möchte ich?

Grundsätzlich gibt es drei Bauformen: Den Topfmagnet, den doppelseitigen und den 360°- Magnet.

kleines Monster: 60mm Durchmesser, 150kg maximale angegebene Zugkraft

Ein Topfmagnet zieht nur auf der Unterseite. Er eignet sich zum „Stippen“, das heißt: weitgehend senkrecht von Brücken oder Spundwänden hinab. Beim flachen „Schleppen“ dreht sich die magnetische Fläche aber gerne vom Boden weg, wodurch viele Funde nicht andocken können, da der Topfmagnet auf der Oberseite (die dann zum Boden zeigt) und den Seitenflächen nicht oder kaum magnetisch ist. Das hat aber wiederum den Vorteil, dass der Trümmer nicht so schnell mit dem Brückenpfeiler schmust, was bei einem kräftigen Magneten ein großes Problem sein kann! Setzt sich dieser Magnet jedoch an einem schweren Fundstück fest, zieht man im idealen Winkel daran, nämlich senkrecht zur magnetischen Fläche.

Der 360°- Magnet wirkt rundherum, und das mit einer enormen Kraft. Er ist der Beißer unter den Neodymen, der in jeder Lage alles anzieht, was irgendwie Eisen oder Nickel enthält. Egal, ob ich stippe oder schleppe: Er ist immer in alle Richtungen fängig. Nachteil ist der höhere Anschaffungspreis und die Tatsache, dass er auch überall dort andockt, wo er es möglichst nicht soll: An den erwähnten Brückenpfeilern oder Spundwänden, die häufig in der Nähe fängiger Angelplätze sind. Sobald er beim Einholen in die Richtung eines solchen Bauteiles schwingt, bricht dem geneigten Fischer der Schweiß aus, denn es bedeutet unter Umständen, dass er nicht pünktlich Feierabend bekommt: So einen Magneten zu bergen kann sich auch schon mal in die Länge ziehen.

Der GAU: Der Magnet hat vollflächig und weit unten an der Spundwand angedockt 

Der doppelseitige Magnet besteht im Grunde aus zwei Rücken an Rücken geklebte Topfmagnete. Meist wird die Summe beider Seiten als theoretische Zugkraft angegeben: So hat ein „300kg- Magnet“ also 2x150kg. Mindestens an der Seite gibt es eine Bohrung, um eine Öse einzuschrauben. Ein Vorteil dieser Bauform ist, dass beim Schleppen meist eine magnetische Seite nach unten zeigt und Schrott aus dem Schlamm ziehen kann. Er bleibt auch nicht so schnell zwischen den Steinen hängen, weil er in Zugrichtung abgerundet ist. Dockt er an einem schweren Objekt an, rutscht er aber oft leichter ab als ein gleichstarker Topfmagnet, da man dann die Zugkraft zur Seite hin aufbringt und nicht senkrecht zur Magnetfläche. Beim Hochheben zeigt zudem fast immer eine der magnetischen Flächen zur Brücke oder der Spundwand, von der man vielleicht angelt. Während die infrage kommenden Oberflächen im Wasser meist aus dünnem Blech oder aus Rohr sind, besteht so eine Spundwand aus dickem Stahl, auf den der Magnet so richtig Bock hat. Mein Magnet hat schon einige male diese Gelegenheit beim Schopf gepackt und dort mit einem frechen Knall angedockt. Den günstigen Magneten bekam ich immer mit einem beherzten Ruck zur Seite gelöst, dem Bulldog musste ich aber schon mehrfach hinterher klettern, um ihn mit einem dicken Schraubendreher von der Wand zu brechen. Andere unglückliche Neodymwerfer mussten auch schon mal ein Auto einsetzen, um ihren Sauger zu befreien. Es ist unglaublich, wie stark solche Magnete sein können.

Doppelseitiger Magnet mit zusätzlichem Zentralgewinde

Einige der doppelseitigen Magneten, so auch der Bulldog,  haben neben dem seitlichen auch ein zentrales Gewinde. Das erlaubt es, die Eigenschaften von Topf- und Doppelmagnet zu nutzen, wie es gerade in den Kram passt: Schraube ich die Öse in die Seite ein, kann ich prima vom Gewässerrand schleppen und die Gefahr des Verkeilens am Grund etwas mindern. Außerdem zeigt fast immer eine der magnetischen Flächen nach unten. Fische ich nun direkt von einer Brücke hinab oder habe ich etwas schweres gefunden, was aber immer abgleitet, kann ich die Öse mittig einschrauben und habe einen Topfmagneten, der dann sogar auf der Seite mit dem Seil magnetisch ist. Dadurch kann sich der Magnet manchmal im Fundgut verhaken, und der Magnetismus in Zugrichtung hindert ihn am Abrutschen. So konnte ich beispielsweise den 50kg- Eisenrahmen auf dem unteren Foto bergen: Der Magnet saß sicher unter der Kante, der Rahmen hing beim Heben auf der oberen Fläche.

Die Oberseite vom Magnet haftet unter der Rahmenkante

Fazit:

Ich würde einen doppelseitigen Neodym mit einer Zugkraft von 2×150 bis 2x250kg mit zwei Gewindebohrungen als Kompromiß zwischen den drei Bauformen empfehlen. Stärkere allerdings nicht, denn wenn ihr an größeren Gewässern fischt und dort wirklich mal ein Auto oder ein großer Tresor im Wasser liegen sollte, bekommt ihr den Fänger vielleicht nicht mehr von seiner Beute gelöst. Ihr solltet immer damit rechnen, dass der Magnet hält, was er verspricht, und euch möglichst nicht mit Gegnern anlegen, die man nicht schafft!

Übrigens: Getestet werden solche Magnete an einer polierten Stahlplatte mit mindestens 10mm Stärke, und zwar im senkrechten Zug. Seid also nicht enttäuscht, wenn euer Magnet sich vom Treppengeländer oder dem dünnen Blech der Türzarge einfach mit einer Hand abreißen lässt: Der Klotz hat dann einfach kein Futter.

2. Das Seil:

Keine falschen Hoffnungen: Niemand wirft volle Tresore weg. 😉

Es sollte etwa 20m lang sein. Ein kürzeres Seil begrenzt die Auswurfweite zu stark, und wenn es länger ist, kann man einen guten Teil der Zeit am Wasser mit dem Beseitigen von Klöppelarbeiten verbringen. Es scheint eine geheime Superkraft von Seilen zu sein, sich völlig ohne menschlichem Zutun zu vernuddeln. Mindestens 6mm dick sollte es sein, besser 8mm: Beim Einholen von schweren Gegenständen würde ein dünneres Seil sehr in die Hände einschneiden. Viel dicker sollte es aber nicht sein, denn das Seil würde zu unhandlich, zu steif und zu schwer.

Die Nennlast sollte stärker sein als die Haftkraft des Magneten. Unter Umständen muss man mit einem kräftigen Ruck arbeiten, bei dem hohe Spitzen in der Belastung auftreten, und auch, wenn man mal etwas mit dem Auto rausziehen will, wird es der Zugkraft des Magneten ebenbürtig sein. Außerdem braucht man eine gewisse „Sicherheitsreserve“ schon alleine deshalb, weil im Knoten die Bruchlast des Seiles herabgesetzt ist und man irgendwann auch mal über Kanten ziehen muss, die der Strippe zusetzen. Beschädigungen am Flechtwerk, die irgendwann entstehen, vermindern die Belastbarkeit zusätzlich. Den Sinn eines Karabiners zwischen Seil und Magnetöse habe ich bisher übrigens nicht herausgefunden, ich knote meinen Magneten gerne direkt an.

Dafür benutze ich einen Henkersknoten: Er ist nicht so dick und hat mit der entsprechenden Windungszahl eine Knotenfestigkeit von bis zu 90% ! Benutzt ihr dennoch einen Karabiner zum verbinden, nehmt einen Tri-Lock- Haken aus dem Kletterbereich oder gleich einen  Kettenverbinder  zum schrauben, möglichst aus Edelstahl, da dieser nicht magnetisch ist. Auf keinen Fall solltet ihr den Ömmes an einen ungesicherten Karabiner hängen: Ihr wärt nicht die Ersten, die irgendwann einen leeren Haken an Land ziehen!

Am anderen Ende der Strippe sollte wiederum ein billiger Karabiner angeknotet werden, um sie bequem und schnell irgendwo sichern zu können. Mit „billig“ meine ich die Ausführung für Schlüsselanhänger oder ähnlich, bei der die Schließe nicht verzahnt ist, da man sonst beim Einhaken in das Seil öfters mal Fädchen reißt. Und viel halten muss der Haken ja nicht, er soll lediglich den Wurf begrenzen. Das Befestigen des freien Seilendes ist nämlich enorm wichtig: Solltet ihr mal ordentlich Hüftschwung entwickeln oder die Leine sich beim werfen verheddern, fliegt das Seil dem Magnet hinterher. Dann lieber gleich vor dem Wurf die Strippe vom Magnet entfernen, dann fliegt er wenigstens allein und ihr habt nachher zumindest noch das Seil … 😉 Oder ihr befestigt es eben irgendwo: Baum, Straßenschild, Festmach- Poller …

Wichtig!!! : Wenn ihr an einem Fließgewässer oder an einem mit Schiffsverkehr fischt, macht das Seilende NICHT am Körper fest!

Nicht! Andocken!!!

Sollte z.B. ein größerer Ast vorbeitreiben und sich im Fischerzeug verheddern, zieht der euch unter Umständen mit, bevor ihr das Seil lösen könnt! Bereits ein zwei Meter langer Ast mit etwas Laub entwickelt auch bei geringen Fließgeschwindigkeiten eine große Kraft, die euch aus dem Gleichgewicht bringen kann, wenn ihr nahe an einer Spundwand steht. Gleiches gilt für Schiffsverkehr: Die Schrauben könnten das Seil ansaugen. Oder ganz doof: Ihr trefft beim Werfen mit dem Magneten den 1500 t – Frachter. Den haltet ihr nicht so schnell auf. Und bei der dicken Schiffswand wird der Magnet nicht einsehen, dass er loslassen soll.

3. Was man sonst noch gebrauchen kann:

– Handschuhe sind wichtig. Häufig sind die am Magneten haftenden Fundstücke scharfkantig oder spitz. Eine Verletzung mit rostigen Nägeln und den möglichen Infektionen möchte wohl keiner. Außerdem reibt das Seil heftig, wenn man es beim Auswerfen durch die Hand gleiten lässt. Dann ist am Ende des Tages die Pelle am Finger weggescheuert. Nun, und der Schlamm aus dem Gewässer ist auch nicht immer sehr appetitlich.

geknackte Geldcassette

– Einen Behälter für Kleinkram: Große Gegenstände kann man dem Schrotti überlassen oder den Entsorgungsbetrieben in Auftrag geben, nachdem man das Altmetall an eine gut erreichbare Stelle geschafft und ordentlich an den Straßenrand gestellt hat, ohne dass jemand behindert oder gar gefährdet wird. Kleinteile dagegen kann man selbst entsorgen: Man muss den Leuten, denen man durch das Magnetfischen zusätzliche Arbeit verschafft, ja nicht unnötig auf den Sack gehen, indem man sie dazu nötigt, hinter Nägeln und Schweißelektroden herzusuchen. Ich nehme hierfür einen alten Einkaufs- Trolley mit einer aufgeschnallten Plastikbox , die ich für 3€ beim niederländischen Billigheimer gekauft habe. Außerdem transportiere ich damit mein Gerödel an die Einsatzstelle.

– Einen Wurfanker: Im Baumarkt habe ich für 7€ einen kleinen 700g- Faltanker gekauft. Damit kann man entweder die Bergung schwerer Gegenstände unterstützen oder auch gleich ohne Magnet damit fischen. Auch hierfür empfehle ich ein 20m- Seil. Aber, noch einmal, Vorsicht: Legt euch nicht mit einem Gegner an, den ihr nicht schafft! Unter Umständen ist der Anker verloren, wenn ihr ihn nicht mehr gelöst bekommt.

– Ein dicker Schraubendreher ist praktisch, um gefundene Behältnisse zu öffnen oder auseinander zu bauen. Auch, wenn ihr den Magnet von einer Spundwand oder einem Brückenpfeiler lösen wollt. Für letzteres eignet sich auch ein Spachtel.

4. Die Kür:

3 Haken und 3 kurze Stricke zum Bauen eines Express- Flaschenzuges: Hat man besonders schwere Sachen am Haken oder Magnet, kann man sich mit drei Karabinerhaken und drei kurzen Bindestricken einen Behelfs- Flaschenzug mit Rücklaufsperre bauen. Voraussetzung dafür ist lediglich ein Festpunkt wie ein Geländer oder ähnliches.

Schema Express- Flaschenzug

Der Flaschenzug wird aufgebaut wie folgt: Am Festpunkt (ich nutze dafür gerne Geländer) werden zwei Karabiner befestigt. Durch den ersten läuft das Lastseil, in den zweiten wird eine Schlinge, die mit dem Prusik- Knoten am Lastseil als Rücklaufsperre befestigt ist, eingehängt.

Etwa einen Meter am Lastseil hinab schlägt man eine weitere Schlinge mit einem Prusik- Knoten an und hängt einen dritten Karabiner oder eine Umlenkrolle ein. Durch diesen Haken (oder die Rolle) wird das Seil geführt, welches durch Karabiner 1 vom Festpunkt kommt. Bitte an der Uferkante nichts fallen lassen… 😉

Zieht man nun am Seilende, klemmt dieses über den Karabinerhaken 3 (oder eine Rolle) den Prusik- Knoten am Lastseil fest und man kann die Last heben. Das Seil läuft dabei durch Haken 1 und 3. Die Schlinge an Haken 2 läuft vor den ersten Haken und rutscht durch.

Hat man die Last das verfügbare Stück gehoben, kann man das Seil entlasten. Die Schlinge an Haken 2 läuft kurz zurück, um dann das Lastseil festzuhalten: Die Last hängt an Karabinerhaken 2. Nun schiebt man die Schlinge mit dem Haken 3 (oder der Rolle) wieder ein Stück nach unten und zieht erneut am Seilende: Die Schlinge an Haken 3 zieht sich wieder zu, die Schlinge an Haken 2 läuft vor Haken 1 und rutscht durch. Der Vorgang wiederholt sich. Die Übersetzung ist 3:1, abzüglich der Reibung. Damit kann man schon mit wenig Material gut was schaffen.

5. fängige Stellen:

Überall dort, wo regelmäßig Menschen direkt an oder im Wasser unterwegs sind, kann man Gegenstände finden. Brücken sind vielversprechend: Dort findet man alles, was man allein oder zu zweit über das Geländer gehoben bekommt. Auch, wo ein Platz oder eine Weg-Einmündung direkt am Wasser ist, wird gerne mal ein Fahrrad oder Mofa geslipt. Bootsstege und Anleger sind immer gut für verlorene Gegenstände: Kettchen, vielleicht eine Uhr oder ähnliche Mitbringsel hängen dann am Neodym. An Ruhezonen mit Bänken wird auch gelegentlich Diebesgut nach dem Fleddern ins Wasser geworfen – und die ganze Bank manchmal gleich hinterher.

6. Fundstücke:

Machen wir uns nichts vor: In der Regel taugt von dem, was wir an Land ziehen, nichts zum Verkauf. Es ist Schrott. Rohrstücke, Drähte, Schrauben, Nägel … und kiloweise Kronkorken, das heimliche Totem des Magnetfischers. Da Mischschrott etwa 17ct pro Kilo bringt, müsste man sich eine Heidenarbeit machen, indem man den Schrott mit einem Anhänger nach Hause transportiert, dort sammelt und später wieder auflädt, bis man dann 500kg für 90€ an den Händler bringt. Ohne Anhänger und eigenem Grundstück fast utopisch. Also stellt man das Zeug nach dem Bergen gut zugänglich, aber nicht behindernd an die Straße und sagt entweder den Entsorgungsbetrieben oder dem Schrotti bescheid. An größeren Straßen in Städten erledigt sich die Sache häufig von selbst, weil viele Schrotthändler dort unterwegs sind.

7. Waffen, Kampfmittel oder Wertgegenstände

Schrecksekunde: Handgranate? Nein. Nur ein abgeschnittenes Rohr. 😉

aus Diebstählen oder Einbrüchen gehören der Polizei gemeldet. Munition etwa ist mit großer Vorsicht zu behandeln: So lange sie im Wasser liegt, gammelt sie einfach relativ passiv vor sich hin. Wird dann zum Beispiel eine Granate bewegt, kann das marode Innenleben des Zünders zur Explosion führen, da vielleicht irgendwelche Rasten oder Sicherungsstifte einfach weggerostet sind!

Patrone von 1917

Bei illegal entsorgtem Fundgut, etwa aus Diebstählen oder als wilder Müll, ist Augenmaß gefragt. Ich glaube, ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich ein völlig verrostetes Fahrrad oder einen ausgeschlachteten Motorroller nicht den Behörden melde, sondern zum Schrott stelle: Niemandem ist ein Gefallen damit getan, so etwas zu melden, insbesondere nicht dem ehemaligen Besitzer (falls er sich finden lässt). Stellt euch vor, ihr findet einen Roller. Er wurde gestohlen, die Verkleidungsteile oder der Motor ausgebaut und der Rest dann im Kanal versenkt. Es haben sich schon Muscheln nett eingerichtet. Nun lag er seit Monaten im Wasser und ihr ruft nach dem Bergen die Polizei. Die müsste ihn zum Sicherstellungsplatz transportieren (kann sie nicht selbst, sie werden einen Abschlepper dafür ordern), muss einen Vorgang dafür schreiben, die Daten zur Rahmennummer ermitteln.

gleich 3 Roller- Rahmen. Wer will die zurück?

Irgendwann wird vielleicht der letzte Eigentümer ausfindig gemacht, und der Pechvogel bekommt eine Nachricht, dass er seinen „Roller“ abholen kann und etwas Geld mitbringen soll: Der Sichersteller will bezahlt werden … Dann muss der glückliche Besitzer den Schrott wiederum selbst entsorgen, da das Wrack nicht mehr reparabel ist, und sich womöglich noch mit der Versicherung herumschlagen, die für den Diebstahl schon bezahlt hat („Geehrter Versicherungsnehmer: Ist von dem Roller wirklich nichts mehr zu gebrauchen, wofür wir etwas von der Versicherungssumme zurückfordern könnten?…“) Dann lieber gleich zum Schrott. Nicht ganz legal, aber ich denke, für alle das Beste. Wie geschrieben: Da ist Augenmaß gefragt.

8. Aufbereitung:

Fundzustand: brauner Klumpen

gereinigt: „Bulldog“- Revolver, um 1900

Einige kleine Objekte sind aber recht interessant, und man möchte sie zum Sammeln oder zur genaueren Inspektion  reinigen. Dafür benutzen einige Essigsäure bzw. Essigessenz. Das stinkt mir aber zu sehr. Ich bade meine Sachen in Zitronensäure: Man kann es billig als Pulver im Supermarkt kaufen und mit warmen Wasser anmischen. Dann legt man die vorgereinigten Fundstücke in die Säure, und siehe da: Sofort schicken sich kleine Gasbläschen an, die Oberfläche zu erreichen. Das ist Knallgas, eine Mischung aus Wasserstoff und Sauerstoff, das etwas nach faulen Eiern riecht. Bei höheren Konzentrationen tut es allerdings unter Umständen das, was sein Name verspricht: Es ist explosiv. Darum muss man bei größeren Säurebädern in engen Räumen dringend für Belüftung sorgen, und besser ist es, das Zeug dann lieber gleich draußen zu verwenden.

Sammlermünze von Shell aus den 60ern mit Eisenkern

Nicht, dass das Bad noch dicke Backen macht, wenn man das Licht einschaltet… Aus einem kleineren Behälter wie z.B. einem Marmeladenglas wird nicht so viel aufsteigen, dass gleich die ganze Bude in die Luft fliegt, lüften ist aber trotzdem gut. Es ist halt kein olfaktorischer Genuss. Wie man an den Bildern des Revolvers weiter oben sieht, funktioniert das Reinigen damit ziemlich gut: Der Rost wird innerhalb weniger Stunden weggefressen. Mit heißem Wasser geht es übrigens noch schneller. Und da Zitronensäure an sich nicht giftig ist (es wird auch zum Backen verwendet), kann man sie nach getaner Abeit in den Ausguss kippen, wo sie noch ein wenig Reinigungswirkung hat.

Bisher habe ich mit dem Magnet schon eine Menge kurzweilige Momente gehabt. An den Bildern seht ihr, dass die 5-10%, die nicht einfach nur „undefinierbarer Schrott“ sind, die Sache spannend machen. Wird man dann noch Mitglied einer FB- Gruppe, in der jeder seine Funde zeigt, entsteht auch noch so eine Art Challenge: Wann finde ich meinen ersten Einkaufswagen? Wer zieht bei einer Tour die meisten Fahrräder aus dem Wasser? Und wie viele Roller waren dabei? Hattest du schon mal eine Waffe? Nun, die Grundlagen fürs Magnetfischen habe ich oben beschrieben. Jetzt müsst ihr nur noch einen Neodym- Magneten kaufen und bei Google- Earth eine vielversprechende Stelle suchen. Und falls sich nun jemand animiert fühlt: Schreibt es in die Kommentare!

 

Über firefox05c

Firefighter, Kittyowner, Bagpipeplayer. Querulant. Manchmal bissig, aber im Großen und Ganzen handzahm. Die Themen hier: Feuerwehr - Rettungsdienst - Alltag .
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3 Antworten zu Magnetfischen, die Zweite: Tipps und Tricks

  1. roerainrunner schreibt:

    Trotzdem würde ich unglaublich gern die Geschichten dahinter kennen.
    Wurde mit dem Revolver schon einmal jemand erschossen? Wurden die Geldkassetten gestohlen? Sind die Diebe gefasst worden? Oder leben glücklich auf einer sommerlich Insel?
    Mehr Fragen als Antworten. Vermutlich kein Hobby für mich 😉

  2. Klaus schreibt:

    könnte man bei dem Bulldog nicht die Befestigung am Rand und an der Fläche gleichzeitig nuten? Mit zwei seilen. Dann könnte man den Mageten anlupfen, wenn er sich irgendwo festgesaugt hat und hat sowohl zum Schleppen, als auch zum Rausziehen den richtigen Winkel.

    • firefox05c schreibt:

      Könnte man, er wird sogar mit 2 Ösen geliefert. Ich habe aber in der Praxis die Erfahrung gemacht, dass die Leinen sich dann gerne verdrehen, wenn sie so weitgehend parallel laufen.

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